Nach 25 und mehr Jahren Öffnung meiner Psychiatrie Akte – Transparenz schaffen aus der Blackbox Zeit um die Jahrtausendwende – Wendepunkt 2016

Eine Menge Leute kennen meine Geschichte der vergangenen zehn bis zwanzig Jahren. Es heißt, ich hätte viel erreicht. Genesung durch Öffnung, Psychose Seminar, Inklusion durch Arbeit und Ehrenamt.

Aktuell plane ich den Sprung nach vor 2016, wieder zurück in die Rurtalwerkstätten, in die Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Die Inklusion zur Arbeit ist gescheitert.

Immer wieder kommt der Punkt, dass diese “Erfolgsgeschichte” vielleicht gar nicht stimmt. Zumindest, dass Menschen erhebliche Schwierigkeiten im Umgang mit Psychose und Schizophrenie Erfahrenen Menschen haben.

Die letzten Jahrzehnten gibt es Versuche, positive Fähigkeiten bestimmter Diagnosen zu erkennen und zu fördern.

Ich springe zurück in meine total kaputten Zeit. Ich muss meinen defizitären Seiten mehr Aufmerksamkeit widmen. Da es immer noch wiederholt Probleme mit Mitmenschen gibt, muss ich weiter in mir forschen, warum das so ist. Eine Akte hat den Vermerk: Vertraulicher Arztbericht, Weitergabe bzw. Einsichtnahme durch Partienten gem. BGH-Urteil VI ZR 177/81 nicht gestattet. Da sind Punkte genannt, die zu diesem Zeitpunkt stimmten, aber in wenigen Jahren danach sich auflösten. Meine Zeit in Heidelberg hatte da massiv gut gewirkt. Aber ein Punkt wurde von der Psychiatrie Seite mir offiziell nie erwähnt und zwar, dass es bei mir narzisstische Kränkungen gegeben hat. Es gibt Erforschungsbedarf dazu. Andere Menschen hatten mich damals sehr gut verstanden, zu diesem Zeitpunkt nicht den Kontakt zur Crack und Heroin Szene von Köln aufzubauen, daher die totale Distanz in der Einrichtung zu den Mitpatienten. Interessant, die kleineren Übertragungsfehler in dem Akten Verlauf zu sehen.

Eine Menge Leute kennen mein Schaffen und Denken.

Doch nun öffne ich meine Psychiatrie Akte von vor 25 Jahren. Damit ihr einen Eindruck bekommt, wo ich eigentlich her komme.

Die Texterkennung ist leider sehr holprig, aber hier sind die Unterlagen zum Fall Matthias Schmidt:

1 Epikrise

Betr Herrn Mathias Schmidt, 1980, wohnhaft Wirteltorplatz 12 52349 Dürcn Der o.g. Patient befand sich vom 16.4.99 bis zum 10.5.99 erstmalig in unserer stationären Behandlung. Diaq nosen: Suicidale Krise bei Reifungskrise Drogenabusus Aufnah memodus: Herr S wurde auf freiwilliger Rechtsgrundlage in der hiesigen Fachklinik aufgenommen. Er wurde uns aus der lnneren Abteilung des St. Krankenhauses zugewiesen. Dorthrn war er am 14.4.99 gebracht worden, nachdem ihn die Eltern barfuß im Freien aufgefunden hatten. Außerdem hätten sich bei der Durchsuchung der Wohnung des Pat. drei fast entleerte Paracetamol-Packungen sowie ein ausführlicher Abschiedsbrief gefunden Daraufhin wurde bei dem Pat. umgehend eine Magenspülung durchgeführt und im Anschluß erfolgte eine parenterale Verabreichung von Acetylcystein. Während der intensivmedrzinischen Überwachung kam es zu keinem Anstieg der Leberwerte und Herr S. konnte am '16.4.99 in die Kliniken D verlegt werden. Psvchischer Aufnahmebefund: Wach, bewußtseinsklar, zu allen Qualitäten scharf orientiert, der Pat zeigte eine großes Skepsis gegenüber der stationären Behandlung, erkannte jedoch die eigene Hilflosigkeit an Es fand sich kein Anhalt für produktiv-psychotisches Erleben und der Pat distanzterte sich in der Aufnahmesituation von weiteren Suicidideen. Körperlicher Untersuchunqsbefund : Alte rse nts p rche nd e r Normalbefund. Zusatzuntersuchungen: EKG vom 28.4.99: Sinusarrhythmie (respiratorisch bedingt) mit regelmäßig periodisch wiederkehrenden F req uenzschwankungen P, PQ und QRS sowie QTc (0,35 Sek.) im Normbereich. lndifferenztyp. Ungestörte Erregungsrückbildung. Kerne Extrasystolen, keine Hypertro- phiezeichen. EEG vom 28.4.99: 9 – 10 /Sek Alpha-Grundrhythmus von guter Ausprägung. Gute Blockadereaktion beim Augenöffnen. Unter Hyperventilation keine Befundänderung. Kein Herdbefund, kein Seitenhinweis, keine epileptische Aktivität. Beurteilung: 9 – 1O/Sek. Alpha-EEG Normalbefund Labordiaqnostik: Anfänglich diskrete Hyperkaliämie, der Kalium-Wert lag jedoch bei der Kontrolle im Normbereich. Testosvcholo q ische U ntersuchunqen: Durchgeführt wurde ein lntelligenz-Strukturtest von Amthauer Form B, durchgeführt durch den Psychologen, Herrn K, am 5.5.99. Die psychologische Testung ergab einen lQ von 133. Verlauf und Therapie: Herr S. berichtete zunächst, er sei mit Vielem nicht klargekommen, einen Auslöser für seinen Suicidversuch habe es nicht gegeben. Statt zu seiner Arbeit als Auszubildender zum Verpackungsmittelmechaniker zu fahren, sei er mat dem Auto planlos ca. 350 km durch die Gegend gefahren Er habe im Wechsel einen Joint geraucht und 1 Tbl. Paracetamol geschluckt, insgesamt jeweils 7 Stück. Er sei im Raum Aachen und Eifel unterwegs gewesen und habe dann auf einem Rurseepatkplatz Abschiedsbriefe verfaßt. Man habe mehrmals versucht ihn auf seinem Handy zu erreichen, aber er habe sich zunächst nicht gemeldet. Er sei dann weiter durch die Gegend geirrt und habe auch das Auto verlassen. Später sei er dann im Auto eingeschlafen und durch den Handy-Anruf seiner Eltern geweckt worden. Diese hätten ihn dann in das Krankenhaus gebracht. Enttäuscht äußerte sich der Pat. über seine Ausbildungsstelle, einerseits fühle er sich unterfordert, andererseits habe er Schwierigkeiten sich an die zum Teil unsinnigen Arbeitsanweisungen der Ausbilder zu halten. Auch wurde deutlich, dass Herr S. in der Schule schlecht zurechtgekommen war, seine Legasthenie sei viel zu spät erkannt worden. Bis zur 10. Klasse hätte er das Gymnasium besucht und seit dann zur Hauptschule zurückgegangen, wo er nur einen sehr schlechten Abschluß gemacht hätte. Er habe derzeit keine Möglichkeit, z B die Fachhochsch u lreife zu erzielen, um so eine qualifiziertere Berufsausbildung zu machen. Er lebe seit wenigen Monaten in einer eigenen Wohnung. Auf Befragen stellte sich jedoch heraus, dass er die meiste Zeit doch im Haus der Eltern verbringt und dort auch ißtund schläft. Herr S berichtete. keine Beziehung zu einer Frauzu haben und es gebe auch keinen ,,besten Freund” Er habe jedoch sehr viele Bekannte. Er bezeichnet sich selbst als Elektronik-Fan, der sehr erfolgreich an Musikanlagen und Computern bastele So etwas wolle er gerne auch später beruflich machen. ln den Gesprächen wtrkte Herrr S. etwas floskelhaft, beflissen sich positiv darzustellen und serne Probleme zu bagatellisieren. Halluzinationen, Beeinflussungserleben, Gedankenausbre itung/-eingebu ng wurden von Herrn S. weiterhin verneint. lm Sinne des magischen Denkens äußerte er ledoch, dass schlechte Gedanken und schlechte Worte viellercht auch zu schlechten Folgen führen könnten. Man solle positiv denken, alle um ihn herum würden zu negativ denken. Auch äußert er häufig seine Überzeugung, er sei Anhänger des,,kollektiven Denkens”. Er stelle sich das so vor, jeder sei für sich alleine, als ldealist. Man sei solidarisch, habe aber wenig miteinander zu tun. Woher diese Uberzeugungen stammten, könne er jedoch nicht sagen. Ansatzweise klangen auch Größenrdeen in Bezug auf die berufliche Zukunft an. ln dem handschriftlichen Abschiedsbrief, der in der Tat zahlreiche Rechtschreibefehler aufwies und kaum zu entzrffern war, brachte er seine Enttäuschung über die mißlungene Schul- und Berufsausb ildu ng zum Ausdruck , äußerte seine Traurigkert über das ver- meintliche Unverständnis seiner Mitmenschen. Es klangen auch religiöse ldeen an, rndem er sich eher wie ein Einsiedler sah, der ein Schweigegelübde ablegen wollte. Zu bedenken ist, dass der Pat. diesen Brief in intoxikiertem Zustand geschrieben hat. Während der gesamten Behandlung wirkte Herr S. sehr ambivalent. Einerseits wollte er großzügig Unabhängigkeit von den Eltern, andererseits ist er extrem abhängig von de- ren versorgender Haltung. Auch leidet er unter der Diskrepanz sejner hohen lntellrgenz und den tatsächlich erreichten Schu labsch lüssen bzw. der aktuellen beruflichen Situation lm Stationsalltag verhielt er sich ruhig und zurückgezogen, während der Gespräche wirkte er jedoch affektiv beteiligt und schwingungsfähig Aufgrund einiger läpprsch anmutender Bemerkungen und Vorstellungen hatten wir zu Beginn der Behandlung auch an die Differentialdiagnose einer Hebephrenie gedacht, für die sich dann keine weiteren Anhaltspunkte fanden. Herr S nahm an den therapeutischen Aktivitäten wie Beschäftigungstherapie und Sport teil Es wurde ein Familrengespräch geführt, an dem auch die Schwester des Pat. teilnahm. Wir rieten dem Pat. eine weitere teilstationäre Behandlung, wie sie z.B. in der Tagesklinik hätte erfolgen können, an. Dies lehnte er jedoch ab, da dies ihm nichts bringe Er wolle sich jedoch überlegen, ob er eine empfohlene ambulante Psychotherapie begrnnen werde. Herr S. wurde dann auf seinen Wunsch hin am 10.5.99 aus unserer stationären Behandlung entlassen. Die Entlassung erfolgte nach Rücksprache mit seinen Eltern. Anhaltspunkte für eine akute Eigengefährdung fanden sich zu diesem Zeitpunkt nicht Letzte Medikation: Keine

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Unser ZeichenDatum 03.04.2000 Henn Matthias Schmidt, geb. am 1980, wohnhaft: lm Kamp 8,52391 Vettweiß AnzTLIcHES ATTEST (Zur Vorlage bei der Familienkasse der Arbeitsverwaltung) Herr Schmidt befindet sich seit dem 17.01.2000 mit der Diagnose einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis erstmals in unserer stationären Behandlung. Aus der Vorgeschichte ist erwähnenswert, daß es am 14.04.1999, am ehesten im Rahmen der Psychose, zu einem Suizidversuch gekommen ist. Herr Schmidt mußte damals für 4 Wochen im LKH stationär behandelt werden. Es ist davon auszugehen, daß Herr Schmidt bereits zu diesem Zeitpunkt krankheitsbedingt nicht mehr in der Lage war, eine geregelte berufliche Tätigkeit auszuüben. So brach er im folgenden ein Ausbildungsverhältnis ab. Psychopathologisch imponiert zum jetzigen Zeitpunkt eine deutliche Affektverflachung, ein sozialer Rückzug sowie eine fehlende Kritik- und Urieilsiähigkeit. Zum jetzigen Zeitpunkt ist davon auszugehen, daß Herr Schmidt in absehbarer Zeit nicht auf dem freien Arbeitsmarkt vermittelbar ist.

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Arzt für Neurologie 52351 Düren, den o7. o5.2000 E Str. und Psychiatrie An das Amtsgericht Düren Holzstr. 26 -28 52349 Düren Betr, : Herrn Matthias Schmidt, geb. am 1980, wohnhaft Im Kamp 8, 52391 Vettweiß Bezug: Aktenzeichen: 4 Sch PSYCHIATBISCHES GUTACHTEI{ In diesem Gutachten so11 zu der Frage Stellung genommen werden, ob bei dem Betroffenen zur Besorgung seiner Angele- genheiten ein Betreuer zu bestellen ist.2 Gemäß Gutachtenauftrag so11 zu folgenden Fragen StelIung genommen werden: Liegt bei d. Betroffenen eine psych. Krankheit, geistige oder seelische Behinderung, körperliche Behinderung vor? 2, lrleIche konkreten Angelegenheiten kann d. Betroffene deshalb ggf1. nicht selbst besorgen, z.B. im Bereich von Gesundheitsfürsorge, Bestimmung des Aufenthalts [,'lohnungsangelegenheiten, Vermögensangelegenheiten, 1fd. finanzielle Angelegenheiten, Entscheidung über Unterbringungsmaßnahmen, Behördenangelegenheiten, a1le Angelegenheiten. Welche Behandlungs- und Rehabilitationsmöglichkeiten bestehen ? Wie 1-ange werden die Krankheit oder Behinderung und das daraus folgende Unvermögen zur Besorgung der bezeichneten Angelegenheiten voraussichtlich fortbestehen ? 5 !'lelche anderen Hilfsmöglichkeiten würden eine Betreuung ganz oder teilweise entbehrlich machen ?.) 6. fst es mög1ich, sich mit d. Betroffenen zu verständigen 7 Sind von einer persönlichen Anhörung dc Betroffenen durch das Gericht erhebliche Nachteile für die Gesundheit zu besorgen ? Ist es zur Vermeidung erheblicher Nachteile für die Gesundheit d. Betroffenen erforderlich, bei der Beka nntmachung der Entsche idungsgründe an den Betroffenen besondere Umstände zu beachten oder von der Bekannt- machung der Gründe ganz abzusehen ? Ist ein Einwilligungs vorbehalt notwendig ? Für welche Bereiche ? Das Gutachten stützt sich auf: – Die mitges a ndten Akten, – Studium der Krankenakten, – Angaben der Eltern, – Anamnese na ch eigenen Angaben, – eine guta cht erliche Untersuchung. Aktenauszug: Am o3.o2.2000 beantragen die behandelnden Arzte der Krankenanstalten in Z betreffend Matthias Schmidt, der sich seit 17. o1.2000 in stationärer Behandlung wegen einer Psychose, MedikamentenmiBbrauch und Verhaltensstörungen befand, die Einrichtung von Betreuungsmaßnahmen.4 Aus der Anamnese u/ar zu erfahren, daß der Betroffene seit dem 14.o4.1999 für vier !iochen stationär wegen eines Selbstmordvers uchs in den Kliniken behandelt wurde. Das bei ihm vorhandene p s y c h o p a t h o L o g i s c h e Bild erweckte den ho chgra digen Verdacht auf das Vorliegen einer schizophrenen Erkrankung (81. 1 d.A. ). Hinsichtlich eines umfassenden Berichts der B et r e u u n g s s t e 1I e der Stadt D, (81. 7 – 1o d.A.), sowie richterliche Unters uch ung vom o7. o3.2000, (B1. 11 d,A.), wird laut Beschluß des Amtsgerichts D vom 13. o3 .2000, (81. 13 d.A.), die Einrichtung einer vorläufigen Betreuung angeordnet, Diese Entscheidung wurde auf sechs Monate befristet. Auszüge aus der Krankenakte der Kliniken: Aus der Krankenakte der Kliniken ist zu entnehmen, daß der Betroffene erstmals vom 16.o4, bis zum 1o.o5.1999 stat j.onä! auf freiwilliger Basis in den Kliniken behandelt wurde. Er wurde aus der inneren Abteilung des St. -Krankenhauses zugewiesen, Dort befand er sich am 14. o4.1999 wegen eines Suicidversuches und Einnahme von Paracetamol-Ta blette n in statinärer Behandlung. Bei der Aufnahme wirkte er in psychischer Hinsicht h,ach, bewuRtseinsklar, orientiert. Er zeigte eine große Skepsis gegenÜber der stationären Behandlung, erkannte jedoch die eigene Hilflosigkeit. Es fand sich kein AnhaIt fÜr produk- tiv-psychotisches Erleben und Herr Schmidt distanzierte sich in der Aufnahme sitution von weiteren Suicidideen.5 Bei den Untersuchungen b,aren sämtliche kfinische parameter wie EKG, EEG, Labordiagnostik im Bereich der Norm. Bei der testps ycho Iogischen [Jntersuchung zeigte er einen IQ von 133. A1s Grund für seinen Selbsmord versuch gab er an, daß er mit seinem Leben bzw. mit vielen Dingen nicht mehr klar komme. Einen Auslöser für seinen Suicidversuch habe es nicht gege- ben, er habe sich bei seiner Au s bildung nicht anpassen kön- nen. In den Gesprächen wirkte er etwas floskelhaft, beflis- sen, sich positiv darzustellen und seine Probleme zu baga- tellisieren . Ha 11u z inationen , Beeinf Iu ssungserleben , Ge- dankenausbreitung, -eingebung wurden von ihm weiterhin ver- neint. Im Sinne des magischen Denkens äußerte er jedoch, daß schlechte Gedanken und schlechte tr'lörter vielleicht auch zu schlechten Folgen führen könnten. Man solIe positiv denken, a1le um ihn herum würden zu negativ denken. Auch äußerte er häufig seine Überzeugung, er sei Anhänger des “kollektiven Denkens”. Er stelIe sich das so vor, jeder sei für sich alIeine, als IdeaIist. Man sei solidarisch, habe aber wenig miteinander zu tun. Woher diese Überzeugungen stammten, könne er jedoch nicht sagen . Ansatzweise klangen a uch GröBen- ideen im Bezug auf die berufliche Zukunft an. Hinsichtlich des Studiums seines h a n d s c h r i ft 1i c h e n Abschiedsbriefes wurde der Verdacht auf eine bei ihm bestehende hebephrene Er- )- krankung geäußert. Die vorläufige Diagnose lautete: Suicidale Krise bei Beifungskrise, Drogenabusus . Herr Sch. wurde dann auf seinen Wun sc h hin am 1o. o5.1999 aus der stationären Behandlung entlassen.6 Anamnese nach Angaben der Eltern bzw. Mutter des Betroffenen: Sie sei erst spät mit 31 Jahren Mutter geworden. Die ältere Tochter sei 19 geboren worden. Matthias wurde am 1980 geboren. Ihre beiden Kinder seien l,,lunschkinder gewesen. A1s Säugling habe Matthia s die ersten drei Monate Tag und Nacht nur gebrü1It. Das habe sie von der älteren Tochter nicht ge- kannt, die jedoch auch sehr lebhaft gewesen sei. Matthias sei dann in al1em Iangsamer gewesen, er habe später Laufen gelernt. Mit zwei Jahren habe er noch kein Wolt gesprochen, Deshalb habe man sich bei Prof . Heilmann (Chef der pädia- trischen Abteilung des Klinikum der RWTH Aachen) vorgestellt. Kurz darauf habe Matthias begonnen, eine Babysprache zu be- nutzen. Er hätte sich von kLei.n auf sehr für Technik interes- siert. Bei Prof. Heimann habe er mehrere Sitzungen gehabt. Kurze Zeit danach habe er dann ganze Sätze in Babysprache gesprochen. Schon aIs Kleinkind sei er immer sehr gerne alleine ge!',esen und habe sich mit sj-ch selbst beschäftigt. Er sei dann in den Kindergarten gekommen, Dort habe er mei- stens alleine gesessen. Später habe die Kindergärtnerin dann erzähIt, daß er teilwe is e a1s Strafe habe alleine spielen soIIen. Das sei für Matthias aber keine Strafe gewesen. Konta kte zu a nderen Kindern hätte es schon gegeben. Sie hät- ten a uch häufig Kinder bei sich zu Hause im Garten geh abt . Mit sieben Jahren sei Matthias eingeschuft worden. In der Grundschule hätten dann auch die Probleme begonnen : Es habe Raufereien gegeben. Vorher hab e er sich nie geschlagen. Die Kinder hätten ihm aufgelauert und zum TeiI auch gehänse1t.7 Danach habe er sich mit ihnen geschlagen. Er sei jedoch dann derjenige gewesen, der z.B, von Lehrern zur Hede gestellt worden sei und nicht die anderen. Ihr Soh n habe bereit s zur Kindergartenzeit das Schachspielen gelernt, Die Grundschul- lehrer j-n habe ihr damals geraten, sie soIle ihren Sohn doch mehr zu den Kindern im Dorf schicken, Aber Matthias habe sich halt für anderes interessiert, insbesondere für Tech- nik. Mi.t dem Schreiben und der Rechtschreibung habe es Pro- bleme gegeben. Ab der dritten Klasse habe er eine neue Lehrerin bekommen, Er habe dann große Schwierigkeiten mit den Doppellauten ( Doppelkonsonanten ) gehabt. Daraufhi n sei sie zum S c h u 1p s y c h o 1o g e n gegangen, Sie habe auch mit ihrem Sohn Schreiben und Lesen geübt, Nach der Grundschule sei er auf das Gymnasium gegangen, in der 8. KIasse sei er einmal sitzen geblieben, auf dem Gymnasium sei er eher frech gewe- sen. Nach einem halben Jahr in der 1o. Klasse sei er dann in die Hauptschule gegangen und habe die Hoffnung gehabt, einen qualifizierten Abschluß für die Fachoberschule zu schaffen. In der Hauptschule sei es ätzend gewesen, er h abe sich ge- langweilt, nichts Neues gelernt. Zu der Zeit habe er vermut- lich Haschisch geraucht. Er habe sich schlie ßlich zurückge- zogen und nach einem Suicid versuch seine Lehre in der Beruf s- schule abgebrochen. AlImä hlich sei er in seinem Verhalten auffä11iger geworden, bzw. er wurde komisch, stiller und isoliert, habe aIles negativ und gegen sich gerichtet ge- sehen. Er habe gemeint, daß alle etwas von ihm wollten und sich von anderen beeinträ chtigt und belästigt gefüh]t.I Er wurde zunehmend nervöser, verzweifelter, depressiv ver- stimmt, habe mit Feuer gespielt und sei mit einem 14esser in der [,,lohnung herumgelaufen. Er habe auch sie mit einem Messer bedroht. Schließ1ich habe man seitens der EItern keine andere Möglichkeit gesehen, aIs ihn unter Mithilfe der Polizei einer psychiatrischen Klinik zuzuführen. Na ch stationärer Behand- Iung in den psychiatrischen Krankenanstalten M sei er ruhiger geworden und mache zu Hause keine Schwierigkeiten mehr. Man könne sj-ch normal mit ihm unterhalten, aber er sei psychisch Ieistungsgemindert, könne Re iz ü berflutungen nicht verarbeiten. Wirres Zeug rede er j e doch nicht. Zunächst haben die EItern den Vorschlag der Klinik, die Betreuung durch einen Berufsbetreuer führen zu lassen, akzeptiert, inzwischen wo1len j edoch die EItern die Betreuung ihres Sohnes selber übernehmen, um EinfIuß auf seinen zukünftigen Werdegang zu behalten. Anamnese nach eigenen Angaben: Er gibt an: Seit der Pubertät habe er das Gefüh1, daß al1es sich irgendwie komisch und merkwürdig verändert habe. Es seien Konflikte in der Familie aufgetreten bzw. er hab e sich mit der Familie ni-cht mehr verstehen können. Hit 14 Jahren habe er erstmals Nikot j,n konsumiert, mit 16 Jahren erster Alkoholgenuß, mit 17 Jahren h abe er über eine kurze Zeit Amphetamine und einmalig LSD konsumiert, seither nicht mehr. Aber seit seinem 16. Lebensj ahr habe er ständig Hasch j.sch geraucht. Er habe jeweils mit kleineren Mengen angefangen,o dann die Drogen exzessiv konsumiert. Dann h abe er den Dro- genkonsum auf das üb1liche Maß herabgeschraubt oder einf ach gar nicht mehr konsumiert. Sein Cannabiskonsum sei wechselnd teilweise auch täg1ich, gelegentlich drei bis vier Gramm pro Woche. Bis zum 13. Lebensj ahr sei er ein “Ja- und Amen-Typ” gewesen, sei immer von den Eltern beeinflußt worden, dann habe er angefangen zu rebellieren, u.a. auch durch den Kon- sum von Drogen. Im August 1998 habe er eine Ausbildung a1s Verpackungsmechaniker angefangen, Er habe ca. 850,— DM mo- natlich verdient. Eigentlich habe der Job ihm gut g efa 11en. Aber dann sei er von seinem Ausbilder sehr enttäuscht worden habe auf der Arbeit zur falschen Zeit die KIappe aufgemacht. Dann, wenn es richtig gewesen sei, habe er sich nicht mehr beschwert. Infolge zunehmenden Streitigkeiten zu Hause habe er Anfang 1990 eine eigene Wohnung angemietet und habe etwa 600, — DM Miete bezahlt. Danach bekam er finanzielle Proble- me und sei nicht in der Lage gewesen, sich mit dem verblei- benden Geld zu ernähren. So kam er meistens nach der Arbeit ins Haus der EItern zurück und habe dort gegessen. Er habe auch meistens im Eltern ha us geschlafen, Alfmäh1ich habe er keinen Sinn mehr in seinem Leben gesehen und unternahm mit der Einnahme eines Päckchens Paracetamol-Tabletten einen Suicidversuch. Er sei dann mit seinem Auto 350 km durch die Gegend gefahren, habe im lrlechsel einen Joint geraucht und eine Ta blette Paracetamol geschluckt, insgesamt j eweils sie- ben Stück. l,,Jährend des Fahrens habe er si,ch Über1egt, von einer Brücke oder gegen die Leitplanke zu fahren, habe Angst10 gehabt zu überleben, Er sei im Raum Aachen und der Eifel unterwegs gewesen, sei dann zum B u r s e e – P a r k p 1a t z gefahren und habe einen Abschiedsbrief geschrieben. Zum ersten Ma1 in seinem Leben habe er so einen persönlichen Brief verfaßt. Unterwegs sei er mehrfach angerufen worden, sei nicht Er- scheinen auf dem Arbeitsplatz sei wohl aufgefallen. Beim An- ruf durch den Arbeitgeber habe er sich nicht gemeldet. A1s er von der Mutter angerufen worden sei, habe er sich nicht geäußert, nur zugehört. Am späten Nachmittag sei er dann an der Burg Nideggen auf dem Parkplatz gewesen und habe weiter Cannabis geraucht. Er h abe Gedanken gehabt , sich von der Burg zu stürzen. Er sei dann vö11i9 durchnäßt und durchge- froren im Auto angekommen, habe sieh einen TeiI der nassen KLeider ausgezogen und sei dann eingeschlafen. Er sei dann h,oh1 von der Mutter über das Telefon geweckt worden, Dann sej. er von seinen Eltern abgeholt und ins St. Kra n kenha us D gebracht worden. Nach Unters uchungen wurde er am 16.o4.1999 in die Kliniken D verlegt und blj-eb dort bis zum 1o.o5.1999. Nach der Entlassung bestanden weiterhin schwere Meinungsverschiedenhej,ten zu Hause. Er sei zunehmend depressiver, unruhj-ger geworden, habe “Menschen wegrationalisiert” . Er habe mit seiner Umgebung und Familie nichts mehr anfangen können. Beim Haschischrauchen habe er sich von eingebauten Kameras in Tankstellen beobachtet ge- füh1t, sei zunehmend depressiv, mut- und lustloser geworden, innerlich unruhig, sehr nervös, hochgradig frustrations- intolerant. Er habe sogar seine EItern mit einem Messer7! bedroht. Er mußte an 17.o1.2000 in die Krankenanstaften nach Z verlegt werden. Na ch stationärr Be- handlung bzw. Einna hme von Neuroleptika fü hIe er sich bes- ser, nervös und unruhig sei er nicht mehr, Irrationale ge- da n ken habe er a uch nicht mehr. Nur könne er sich inf olge des Medikamenteneffektes nicht richtig konzentrieren und sei immer müde. Er möchte weiter von seinen Eltern bzw. dem Va- ter oder der Mutter hinsichtlich Betreu un gsmaßnahme n be- treut werden. Wenn er sich besser und fitter füh1e, habe er vor, wieder einen Beruf zu erlernen. Er werde medikamentös mit Zyprexa 15 mg täg1ich behandelt. Unters u c hunq sb ef unde: 19-jähriger junger Mann in gutem AZ und EZ. Kopf in normaler Konfiguration, Sinnesorgane ä u ßerlich unauffäI1ig. Ha ut und sichtbare Schleimhäute gut durchblutet. BR 128/73 mmHg, Pu Is 73 /min. Herztöne rein und regelmäßig. Thora x symme- trisch, seitengleich beatmet, normales Atemgeräusch. lntern- bef und unauf f äI1ig. In neurologischer Hinsicht Hirnnerven intakt. Keine Parese, keine Sensibj.litätsstörung. Reflexe seitengleich Iebhaft auslösbar, keine Pyramidenbahnzeichen. Es besteht ein ge- ringer, medikamentös bedingter Parkinsoneffekt in Form von Ieichter Hypomimie und etwas starren BIick, diskrete Bradio- e u d i a d o c h o k i n e s e lin ks im Vergleich zu rechts. Sonst neuro- log ischer Befund unauffä11i9.t2 Psychischer Befund: Er ist bewußtseinsklar, orientiert. Sein Gesichtsausdruck ist etwa s matt , ratlos , Er macht einen leicht depressiven, antriebsarmen, verlangsamten, mutlosen, resignierten, un- sicheren, leistungsschwachen, teilnahmslosen, introvertier- ten, verzweifelten, schwunglosen, unschlüssigen, unkonzen- trierten Ei.ndruck. Gedächtnis und Merkfähigkeit nicht gemin- dert. Zur Zeit der Untersuchung besteht kein Anhalt für in- haltliche Denkstörungen bzw. hlahrnehmung pathologischer Phä- nomene nach Art von Illusionen und Halluzinationen werden verneint, Bei der psychologischen Testuntersuchung werden die an ihn gestellten Fragen sachlich und adäquat beantwor- tet. Er zeigt ein überdurchschnittliches Intelligenzvermögen, (Bei einer psychologischen Testuntersuc hung in der D zeigte er einen IQ von 133). ZUSAHHENFASSUNG UND BEURTETLUNG: Zusammenfassend Iiegt bei Herrn Matthias Schmidt nach ein- gehender psychiatrischer Untersuchung von 27. o5.2000 sowie unter B e r ü c k s i c ht i g u n g der Angaben der in den Gerichts- und Krankenakten der Kliniken D behandelnden Arzte, sowie fremdanamnestischer Angaben der EItern folgende Ge- s undheitsstörung vor : Psychose wahrscheinlich aus dem schizophrenen Formenkreis. Nach Angaben der Mutter zeigte er a1s Kind , im Vergleich zu seiner äIteren Schwester, immer ein sonderbares Verhalten.13 Während der Schulzeit legastheniforme Störungen bei normalem bis überdurchschnittlichem Intel,ligenzvermögen. In der Pu- bertätszeit Anpassungsstörungen, Lernschwierigkeiten, mi.t 14 Jahren Drogenmißbrauch bzw, Ha schischra uchen, Einnahme von Amphetaminen und LSD, Dann Enwicklung irrationaler Gedanken und abnorme Verhaltensweisen, Entwicklung depressiver Stim- mung, (welche als Symptome ersten Ranges einer schizophrenen Erkrankung bei Jugendlichen gilt) . Selbstmordversuch, we1- cher eine ca. 4-wöchige stationäre Behandlung in den Kliniken D erforderlich machte. Dort wurde infolge meh- rerer Gespräche der Verda cht auf eine hebephrene Erkra nkung geäußert (dargelegt in der Krankengeschichte der Kliniken D ) . Anschließend weiter bestehende psychotisch irrationale Gedanken und Neigung irrational-aggressiver Ver- haltensweisen verbunden mit Cannabismißbrauch, welcher eine stationäre Behandlung in der psychiatrischen Einricht ung der Krankenanstalten M erforderlich machte. Seitdem der Betroffene mit Neuroleptika 15 mg Zyprexa behandelt wird, sind seine psychotischen Gedanken zurückgegangen. Er verhä1t sich adäquat und normal. Diese Anamnese erhärtet die bei ihm bestehende Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis, wahr- scheinlich ausgelöst durch Drogenmißbrauch. Bei der gutachterlichen Untersuchung von 27.o5.2000 zu der Frage des We iterbestehen s der Betreuungsmaßnahmen schien Herr Schmidt unter Me dika menten effe kt zu sein bzw. es be- stand bei ihm eine psyc h omotorische Verlangsamung, geringes medikamentös bedingtes Parkj.nsonsyndrom (Hypomimie, Mattig- keit) und leichte depressive Verstimmung. Kein AnhaIt für74 inhaltliche Denkstörungen bzw. [,Jahrnehmungsstörungen, keine Selbstmordgedanken. Hinsichtlich seiner Gesundheit und Per- sonensorge äußerte er den Wunsch, von seinen EItern betreut zu werden. Die eingangs aufgeführten Fragen möchte ich wie folgt beant- r^rorten: ad 1: Bei Herrn Matthias Schmidt besteht eine psychische Erkrankung in Form einer schizophrenen Psychose. ad 2 Infolge dieser Erkrankung ist er nicht in der Lage, seine sämtlichen AngeJ,egenheiten selber zu regeln, insbesondere auch nicht in Frage 2. angeführten Angelegenheiten – der Gesundheitsfürsorge, – der Aufenthaltsbestimmung, – vermögensrechtliche Angelegenheiten, – Lei.stungsträgerangelegenheiten bzw. finanzielle Ange- legenheiten, – Vertretung gegenüber Behörden, Renten- u. sonstigen Leistungsträgern, – unterbringungsähnliche Maßnahmen. ad 3: Eine weitere Behandlung mit Neurofeptika wie Zyprexe (zur Zeit nimmt er 15 mg täg1ich) sowie engmaschige Therapiekon- trolle halte ich bis auf weiteres a1s erforderlich.15 Die Behandlung kann weiterhin ambulant erfolgen. ad4 Über die Progose der Erkrankung kann zur Zeit keine Aussage der Erkrankung hängt von gezielten therapeutischen Maßnahmen ab. Es werden voraus- sichtlich Betreuungsmaßnahmen fÜr vier Jahre als erforder- lich gehalten. gemacht werden. Die Stabilisierung ad 5 Es können keine anderen Hi Ifsmögl-ichk eiten genannt werden, ad 6 Eine Verständigung mit dem Betroffen ist mög1ich. Er äußert ltlunsch, von seinen EItern betreut zu werden. den ad7 Eine persönl,iche Anhörung des Betroffenen durch das Gericht könnte Nachteile für seinen Gesundheitszustand bringen, da die Diagnose Schizo phrenie auf ihn und die EItern deprimie- rend wirkt und negativ aufgefaßt werden könnte. ad I Von der Bekanntmachung der Entscheidungsgründe an ihn soIlte abgesehen werden bzw. besondere Umstände beachtet werden. (Siehe ad 7.).16 ad 9: Ein Einwilligungsvorbehalt ist meines Erachtens für keine der unter 2. bezeichneten Angelegenheiten erforderlich, da die Gefahr eines s e I b s t s c h ä d i g e n d e n V erh a lten s in diesem Fa11 nicht besteht, Arzt für Neurolo und Psychiatrie

4 Psychosomotische Klinik

Cheforzt: Dr. med. Patient/in:I,4atthias Schmidt geb. :.1980 Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, anbei übersenden wir fhnen den gewünschLerr EnLrassungsbericht des o.g. Patienten zum dortigerr Vertrleib. Mit freundlichen Grüßen Aus{ertigung rür den behandelnden Arzt 1. Psychische und Ve:'haltensstörungen durch Cannabinoide Paranoide Schizophrenie Wir berichten abschließend über lhr Mitglied I unseren Patienten Herm Matthias Schmidt, geb. 1980, der sich vom 14.11.2000 bis 28.12.2000 zur stationären Entvröhnungsbehandtung in unserer Abteilung für Drogenabhängigkeitskranke befand. Der Patient wurde vorzeilig mit ärztlichem Einverständnis entlassen. Psvchotherapeutischer Teil des Entiassungs berichtes Aufnahmemodus: Herr Sch. befand sich vom 11.02.2000 bis 12.05.2000 in stationärer psychiatrisch- psychotherapeutischer Behandlung in den Krankenanstalten Marienbom in Zülpich. Bis zur Aufnahme in unserer Klinik am 14.11.2OAO wohnte er wieder bei seinen Eltern in Vettweiß. Er lebte in dieser Zeit zuruckgezogen und ging keiner Erwerbstätigkeit nach. Familienanamnese: Hen Sch. wurde am 1980 in geboren. Er wuchs zusammen mit seiner drei Jahre älteren Schwester im Haushalt der Eltem auf. Als er drei Jahre alt war, zog die Familie nach Vettweiß wegen eines Arbeitsplatzwechsels des Vaters. Dieser ist Angestellter in einer . die Mutter Hausfrau. Herr Sch. wurcje nach eigenen Angaben sehr streng giäubig erzogen. Die Eitern gehörten einer Baptistengemeinde an. Später konvertierten sie zum evangelischen Glauben. Seine Mutter beschrieb Herr Sch. als sehr fürsorglich. ln seiner Kindheit habe er keine körperliche Nähe, z. B. in Form von Schmusen, zu ihr gehabt. Von ihr habe er sich aber grundsätzlich akzeptiert und verstanden gefühlt. Mit seiner Mutter habe Herr Sch. {iber seine Gefühle sp.echen können. Er hatte bis heute ein enges Verhältnis zu iht. Zu seinem Vater habe Herr Sch. immer eine distanzierte Beziehung gehabt. Der Vater habe sich nach einem arbeitsreichen Tag zu Hause steis zurtickgezogen und Ruhe irenöiigi. Mit ihm habe Herr Sch. nicht über sich und seine Gefühle reden können. Zu seiner Schwester habe er eine gute Beziehung und häufigen Kontakt. Das familiäre Klima in seiner Kindheit und -lugend beschreibt Herr Sch. von einem starken familiären Zusamrrrenhalt beöunden mit Abgrenzung nach außen, einem starken Harmoniebedürfnis und durch die religiöse Strenge seiner Eltern geprägt. Herr Sch. beschreibt sich während seiner Kindheit und Jugend als Einzelgänger und Eigenbrödler. Er habe am liebsten die Zeit aiiein verbracht und Kontaktschwierigkeiien zu Gieichaitrigen gehabt. Seit seinem 14 Lebensjahr versuche er sich gegen seine Eltem abzugrenzen. Sozialanamnese: Schule / Beruf: Hen Sch. besuchte ab seinem fünften Lebensjahr den Kindergarten. Er gab an, schon damals iieber allein gespielt und sich unterfordert geflhlt zu haben. Mit sieben Jahren wurde Herr Sch. eingeschult. Mit 1 1 Jahren wechselte er auf ein Gymnasium. Auch $rährend seine!' Schullaufbahn vermied er den Kontakt zu Gleichaltrigen, zeigte sich introvertiert, war isolied und fühlte sich auch hier unterforded. Er entwici<elte eine Legasthenie, die soweit bekannt. nicht behandelt wurde. Herr Sch. berichtete, dass er enorm hohe Anspruche und Enrartungen an seine eigenen Leistungen entwickeit hatte und zutiefst gekränkt war sowie massive Hassgefühle auf die Gesellschaft emptand, als er die L Klasse wegen Defiziten in Deutsch und Englisch wiederholen musste. Zu dieser Zeit habe er begonnen exzessiv Alkohol zu konsumieren, um mit seiner Enttäuschung zurechtzukommen. Mit 16 Jahren probierte Hen Sch. erstmalig Cannabis. Er berichtete, dass die Wirkung.Jon Cannabis ihm ermöglicht habe zu entspannen und zum ersten Mal Kontakte nrit Jugendlichen aufzunehnren. ln der 10. Klasse drohte Henn Sch. emeut die Nicht-Versetzung und er rvechselte zur Hauptschule. Mit 17 Jahren beendete er seine Schulzeit mit dem Abschluß der Fachobrschulreife. Anschließend begann er im August 1998 eine Ausbildung zum Verpackungsmechaniker unci zog aus dem Ettemhaus aus, in eine eigene Wohnung. Nach zehn Monaten brach Herr Sch. die Ausbildung ab, weil er mit den Anforderungen nicht zui-echtgekommen sei und wegen sei- nes starken Drogenkonsums. lm Apri! -1999 untemahm Hen Sch. einen Suizidversuch, nachdem ihn seine Freundin verlassen hab,e und er keine Lebenspelspektive tnehr sah. Nach einer stationären Behandlung inr Landeskrankenhaus Düren gab Hen Sch. seine Wohnung auf und zog vyieder zu seinen Eltern. Er sei anschließend zwei Monate ,clean' gewesen und habe dann v.rieder begonnen, Cannabis zu konsumieren. Er nahm Gelegenheitsjobs an: z. B. als Pizzafahrer. im Januar 2000 begab er sich nach heftigen Auseinandersetzungen mit den Eltern nach M. Nach seiner Entlassung im Mai war Hen Sch. nicht mehr eni/eöstätig. Wohnverhältnisse / finanzielle Situation: Herr Sch. lebte bis zur Aufnahme in unserer Klinik wieder bei den Eiiern. Er bezog Kincjergeid. Rechtlicher Status: Hen Sch. gab an, strafrechtlich bisher nicht in Erscheinung getreten zu sein. Seit dem 10,03.2000 bestehe eine Betreuung für die Bereiche Gesundheitsf{irsorge, Aufenthaltsbestimmung, finanzielle Angelegenheiten, die derzeil von den Eltern ausgeführt wird. E;ychotherapeutischer Behandlunqsverlauf : Her Sch. nahm sofort an allen im Rahmen unseres viephasigen, tiefenpsychologisch fundierten Therapiekonzepts angebotenen Behandlungselementen teil. Hierzu gehören neben Gruppen- und Einzelpsychotherapie indikationsspezifische Gruppen für Angststörungen, Psychosen, geschlechtsspezifische Problematiken, basis- und soziotherapeutische ProblerDfelder. Daneben werden in Werk- und Arbeitstherapie, im Sport, bei gezielten Freizeitaktivitäten und in Haus- und Küchendiensten praklische Fähigkeiten und körFrliche Belastbarkeit vermittelt bzw. evaluiert. lm Bereich der Kunsttherapie besteht die Möglichkeit, die individuelle Problematik auf nonverbalem Wege zu erarbeiten. Zu Beginn der Therapie verhielt sich Herr Sch. kooperativ in der Übernahme unseres therapeutischen Settings und der Hausordnung. ln den ersten Gesprächen sowie im Kontakt mit anderen Patienten zeigte er sich sehr zurückhaltend, ängstlich und schüchtern. tn den einzeltherapeutischen Sitzungen thematisierte Herr Sch. umgehend, seinen Unmut darüber, dass er nicht damit einverstanden sei, dass in M cjie Diagnose einer Psychose bei ihm gestellt worden sei. Der dortige Arzt habe seine Aussagen missverstanden und falsch ausgelegt. So habe er nie bei”ichtet, z. B. Stimmen gehört zu haben. Er habe keine Psy- chose. Die Symptome (Beziehungsideen), die er gezeigt habe, seien ausschließlich auf seinen Cannabiskonsum zurlickzuführen und drogeninduziert. Dem fügte Hen Sch- hinzu, dass er auch daran zweifeie in der hiesigen Einrichtung am Richtigen Ort zu sein. Seitdem er aus M entlassen worden sei, habe er abstinent gelebt. Hen Sch. war davon überzeugt sein süchtiges Verhalten kontrollieren und in der Zukunfi ein drogenfreies Leben führen zu können. Er woile endiich wieder arbeiten, ein normales Leben führen unci nicht noch mehr Zeit verlieren. Er sei jetzt auf Druck und Entscheidung seiner Eltem hier und habe von sich aus kein Anliegen und keine Probleme. Hen Sch- ließ sich im weiteren Verlauf des cesprächs darauf ein, sich zunächst einmal die Einrichtung anzusehen und die nächsten Tage abzuwarten. ln der Gruppenpsychotherapie nahm Hen Sch. eine abwartende und beobachtende Haltung ein, die sich dann als durchgängiges Verhaltensmuster eftvies. Es fiel ihm schwer, eigene aktuelle Wünsche, Konflikte und Empfindungen mitzuteilen. Ebenso zeigte er Zurückhaltung. sich bei den Themen seiner Mitpatienten einzubringen. Auf Nachfragen reagierte Hen Sch. mit kueen und knappen Antworten und es war ihm sichtlich unangenehm sich in einer Gruppe zu äußem. ln den ersten Tagen standen wegen der deutlich wahrnehmbaren KontaKschwiedgkeiten und den Rückzugstendenzen des Patienten orientie..ende und den Beziehungsaufbau zu Mitpatienten und Bezugstherapeuten fördernde Angebote im Vordergrund der Behandlung. Diese Angebote nahm Herr Sch. jedoch nur eingeschränkt an, weil er davon übetzeugt war, anders zu sein als die anderen Patienten, zu denen er keinen Kontakt wünschte. Er fühlte sich den anderen Patienten und ihrer Lebenswelt gegenüber fremd, intellektuell überlegen und gleichzei- tig mit dem – ih!“em Niveau entsprechendem Therapieangebot unterfordert. Herr Sch. führte weiterhi an, dass er einen lQ von über 130 habe und sich nach der Entlassung um eine hochbegabten Förderung bemtlhen wolle. Ansatzweise konnte Herr Sch. sich eingestehen, dass er sgane sozialen Angste, seine eingeschränkte soziate Kompetenz und seine hohen Leistungsansprüche an sich selbst hinier solchen Raiionalisierungen zu verstecken suchte. Nach zehn Tagen führte ein Konflikt mit seinem Zimmerpartner bei Henn Sch. zu Abbruchgedanken. Herr Sch. war nicht in der Lage den Konfiikt von sich aus anzusprechen und sich Unterstützung zu holen- Auf diesen Konflikt reagierte Herr Sch. ängstlich und orientierungslos und mit dem starken Wunsch nach Hause zurückkehren zu wollen. Wie auch bei anderen Gelegenheiten zeigte sich, dass Herr Sch. wenig Durchsetzungs- und Abgrenzungsvermögen besaß, häufig seinen Arger,runter schluckte', und sich hilflos und gekränkt in seine Fantasiewelt zurückzog. Auch in anderen Situationen war es schwierig mit Herrn Sch. den Anlass bzw. den Kontext häufig nazisstisch anmutender Kränkungen zu erkunden. Hen Sch. neigte dazu, in generalisierender Weise seine Enttäuschung über die Menschen und die Gesellschaft auszud(icken, und bezog sich selten auf konkrete Ereignisse im Klinikalltag. tm weiteren Verlauf der Behandlung nahmen die .Ambivalenz von Henn Sch. gegenüber der Langzeiientwöhnungstherapie zu. Es fiel Herrn Sch. schwer, sich in der Gruppen- und Einzelpsychotherapie differenziert mit seinem Suchtverhalten auseinander zusetzen. Er entwickelte erheblichen Widerstand gegen seine Psychose und hatte Mühe, diese psychische Erkrankung zu akzeptieren. Auf differenzierte Rückmeldungen seiner Mitpatienten reagierte Herr Sch. mehrfach abwehrend, dabei wurde seine große narzisstische Kränkbarkeit deutlich- Als im weiteren Behandlungsverlauf deutlich wurde, dass die Ambivalenz des Patienten gegenüber seiner Behandlung zunahm, vereinbarten wir ein Familiengespräch. Herr Sch. hatie seine Eltem über seine Ambivalenz gegenüber der Langzeittherapie schriftiich informiert. lm Laufe des Familiengesprächs neigte der Vater zunehmend dazu, das süchtige Verhalten seines Sohnes zu bagatellisieren, dessen Psychoseerkrankung zu leugnen und nach außen den Anschein gut f unktionierender familiärer Beziehungen zu betonen. Der Vater bestand darauf, dass die Probleme seines Sohnes derzeit vorrangig im Bereich der beruflichen Rehabiiitation lägen. Aus den Briefen seines Sohnes und dem Gespräch hab,e er den Eindruck gewonnen, sein Sohn brauche keine Langzeittherapie und sei auch nicht in der richtigen Einrichtung. lrn Gespräch wu!-Ce deutlich, dass bei Eltem und Sohn die offene .Auseinandersetzung mit einer außenstehenden Person über familiäre Themen bzw. die Unterstülzung durch professionelle Heffer tabuisiert war. Offenbar aufgrund geprägter Scham- und Schuldgefühle war es der Familie zu diesem Zeitpunkt nicht möglich, die offensichtlich bestehenden Beziehungskonflikte, die Sucht- und Psychoseerkrankung unci ungelöste Trennung+ und Ablösungsthematik von Herm Sch. gegenüber seinen Eltem zum jetzigen Zeitpunkl therapeutisch zu bearb€iten. die Aufgrund seiner psychischen und innerfamiliären Konflikte war es Herm Sch. nicht mriglich, sich einer weiteren Auseinandersselzung mit seiner Lebenssituation zu stellen. Da er seine Ambivalenz stets offengelegt und sich trotz aller Schwierigkeiten einer konstruktivem Dialog nicht verschlossen hatte, entließen wir Herm Sch. am 27.12.2OOO vorzeitig mit ärälichem Ein- verständnis, zum Entlassungszeilpunkt besianci kein Anhait für akute Selbst- und Fremdgefährdung- Der Drogenmissbrauch von Herm Sch. steht im Zusammenhang mit seiner Psychoseerkrankung im Sinne einer Selhstmedikation zur Affekt- und Selbstregulation bedarf einer psychotherapeutischen Weiterbehandlung. Diagnosen: ICD-10-Nr.: F12.2 Psychische und Verhattensstörungen durch Cannabinoide Paranoide Schizophrenie Dr. med. T Facharzt f ür.Psychiatrie und Psychotherapie Facharzt für Psycho- therapeutische Medizin Chefarzt Facharzt f ür Psychiairie und Psychotherapie Oberarzt / Therap. Leiter Dipi.-Soz.Arb. Gesprächs- therapeutin Medizin i se her Tei I des Entl ass u n gsbeic htes Aufr!ahmemodus: Herr Sch- wurde ohne vorherige Entzugsbehandlung von zuhause aus aufgenommen Familienanamnese: Zur Familienanamnese wurden keine Besondertleiten berichtet. Eiqenanamnese: Zu Schwangerschaft. Geburt und Kindheit wurden keine Besonderheiten berichtet. Ubliche Kinderkrankheiten. Etwa ab dem Kindergartenaller häufige chronifizierte Kopfschmezen. Nach der Einschulung im 7. Lj. fiel eine Rechtschreibschwäche auf. Am 14.04.1999 Suizidversuch mit anschließendei' stationärer psychiatrischei- Behandlung im LKH Dtiren. Es wurde eine Betreuung durch die Mutter eingerichtet. r/om 't7.01.2000 bis 12.05.2000 erfolgte eine emeute psychiatrische Behandlung in den Kran- kenanstalten M unter der Diagnose einer paranoiden Psychose mit egozent.istisch- manieristischem Denken und Verhalten. Suchtanamnese: Alkoholr Konsurrr seit dem 14. Lj.; zunächst in Fornr von Bier, später auch hochprozenti-gem Alkohol. Maximaler Konsum von einem Kasten Bier oder einer Flasche Kom pro Tag. Seit dem 16. bis 17. Lj. Umstieg auf Drogen, danach kein Alkoholkonsum mehr, Gannabis: Konsum seit dem 16. Lj. bis zu 5 g pro Tag. Seit dem 17. Lj. Konsum von Halluzinogenen (LSD zwei Trips pro Monat) und Amphetami- nen regelmäßig ca. 5 g pro Monat; Ecstasy: zwei Tabletten pro Woche. Keine Einnahme von Kokain oder Opiaten, keine pflanzlichen Drogen. Keine Schnüffelstoffe. Psvchischer Aufnahmebefund: Der Pat. war nicht intoxikiert, sein äußeres Erscheinungsbild war gepflegt. Die Bewusstseinslage des Pat. klar, er war zu Od, Zeit und Person voll orientiert. Die Affektlage war ausgeglichen und der Situalion angemessen. Belastungsfähigkeit und Antrieb erschienen recjuziert. Es fan- den Bereichen den sich keinerlei Anzeichen für schwerere Beeinträchtigungen Gedächtnisleistung, Konzentrationsfähigkeit oder lntelligenz. Weiterhin gab es keine Hinweise ftir akute Sinnesläuschungen oder Wahnwahmehmungen. Eine akute Suizidalität war ebenfalls nicht gegeben. Der Pat. war kooperativ und beantwortete bereitwillig alle an ihn gestellten Fragen. Körperiicher Aufnahmebefunci: 2o-jährigel 175 cm großer und 87 kg schwerer Pat. in gutem AZ und gesteigertem EZ. RR: 140/99 mm Hg, Puls: 80/min. Haut und sichtbare Schleimhäute waren ausreichend durchblutend, Lymphknotenschwellungen waren nichl tastbar. Der Kopf war frei von Klopfschmez, NNH und NAP unauffäliig. Mundhöhie, Gebiss, Rachen und Tonsiiien waren unauffäilig. Die Schilddrüse war schluckverschieblich und palpatorisch unauffällig, Die Lunge war atemverschieblich und bei Auskultation und Perkussion o. B. Die Hezaktion war rhythmisch, die Heztöne rein. Die Peripheren Pulse waren gut tastbar, die Venen waren in gutem Zustand. Leber und Milz waren nicht tastbar vergrößert, im gesamten Bauchraum fan- den sich keine Resistenzen. Die Nierenlager waren frei von Klopf- und Druckschmerz. Der gesamte Bewegungsapparat war schmerzfrei und regelrecht beweglich. Neuroloqischer Aufnahmebefund : Himnerven o. 8., Muskeleigenreflexe allseits gleichmäßig auslösbar, keine patnolqischen Reflexe. Pupillen isokor, seitenglelche direkte und konsensuelle Lichtreaktion. Keine feststellbaren Sensibilitätsstörungen. Die Koor-dinationsfähigkeit war ungestöd. Vegetative Anamnese: Unauffälliger vegetativer Befi.ind. Laborchemische Befunde: lm Aufnahmelabor vom 22.11.2000 fanden sich keine pathologischen Werte ftir das kleine Blutbild, die BSG, die Leber-, Nieren-, Fett-, Elektrolyt- und Glukosewerte. Serologie: Unauffällige Serologie für TPHA, HlV, Hepatitis A, B und C. Stuhl und Urin o. 8. Medizinischer Behandlunqsveriauf: Unauffälliger medizinischer Behandlungsverlauf, wobei es nicht gelang, das erhöhte Körpergewicht des Pat. zu reduzieren, obwohl eine gezielte Ernährungsberatung und ein abgestuftes Sportprqramm begonnen wurden. Entlsssunssuntersuchunq vom 28.1 2.2000: Keine akut behandlungsbedürftigen somatischen Erkrankungen, psychisch stabil, Keine Eigen- oder Fremdgefährdung. Letzte lltedikation: Diaonosen: ICD-1O-Nr.: E66 Adipositas Facharzt fü sychiatrie und tu-sche Medizin Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie

5 Universitätskliniku m H

Rccärs&äige Ärgalr dcs Öffertlichff Reclts der Univctsitär ll Psychiatrische Klinik Abt. Allg. Psychiatrie Arxl. Direktor: Prof. Dr. Ch. Herm Dr.ttrd. H Bfw r#ieblingen Bonhöferstr. 69123 Hetdelbe,rs Station OA PD Dr H Tel.: Fax:. 09.10.2002 / stä Nur Infotmation des behandeinden Ardei. \Yeitergabe dn Dtiue nicht Sdrmid( Mrttias *o?.t}}.l§0 Im Karnp S, 52391 Yettweiß Sehr geehrter Her Kollege H a ,vtr berichren über &n oben genarmtan Pra;k:t t\ der sieh vort ß.§,7OA2 bis 17,09.2S2 in rmserer statiosärer Behandlun g bdand, Diegnße:ICD-IO Pamrruide SchizophrenieF20-0 {DD: sehizoaffektive Psycime} Anlmncse: Der in der Näire von Düren bei sejnen Eltern wohrihafte Patient war vor wenigea Tagen in das Bfw nach lilieblingen gekomm«r. Er piant dort eine Umschuluag bzw. berußvorbereitesd€ Maßnahme zum technischen Zeic.hner durchzufuhrcri. Seit mebreren Tagen hatte er dort nicht melr geschlafen tmd zunehmend maaiforme Denkstörungen gezeigt und auch hatte er seine Medikamente nicht mehr genommen Die b€händelnde Arain berichtete ar.h ilber paranoide Befflrchtungen des Patienien, so habe er geäüßefl” dass er in ei:rem Yersuchslabor sein körnrte. Her S. sslbst berichtete im Auftrahmegespr?ich, dass er schon vereinzclt Cannäbis konsumiert habe und dass er wegen Nebe,nwirkungen in Form von allgemeiner Niedergeschlagenheit und auch sexuellen Funktionsstörungen das Zyprexa mornenlan nicht nehmen wollte. Er habe in den letzten Tagen eine Grippe gehabt und dies wilrde die Neberwirhungen der Mcdikation verstären und insgesamt sei er tlberhaupt unzufäeden mit der vortandcncn Barrrmedikation- Biogrfische Aramaese: Herr S- berichtet, dass er seit iler ft.bertät das ffihl habe, alles sei irgsndwie kornisch ufd me-wtlrdig verändert. Es seien vermehrt Konfiikte in der Familie aufgetreten und er habe sich dsrt dcht mehr verstanden gefühlt Mit 16 Jahren habe er ersturalig Alkohol konsumiert, später ifber eine kurze zeit Amphetomine und eitmal l-SD: Cleicüzeitig habe er äber fast ständig Cannabis geraucht. Herr S.hatte aach der Grundschule zrmtchst das Gyrnnasium besucht. Nach einem hatben Jahr in der 10. IIAUW Sgi gr dann in die tlauptschute geg&rgen und habe rlie Hoffnung gehabl ei|gn quatifizjerrea Ahschluss für die Fachoberschlle zu schafFn. h der Hauptschule habe er sich aber gelangweilt. Ilrr August 1998 begann Herr dann eine Ausbildung als Verpackungsmechaniker. Nachdem der Patient intblgc Streitigkeiten zuhause Anfang 2@0 eine eigene Wohnung angemietet hatte, bekam er finanzielle Pmhleme und sei nicht in der l-age gewesen, sich mit deo vertleibenden Geld zu emähren. Er habe dann doch meislens im Eltemhaus gelebt. In dieser Phase habe er keinen Sinn mehr in seinem Leben gesehen und untemahm mit der Einnahme eines Päckchens Paracctamol Tbl. einen Suizidversuch. Es folgte ein Aufenthalt in den Rheiaischen Kliaiken in D. Danach sei er zunehmend depressiver und unruhiger geworden und habe Measchen -wegrationalisiert”. tseim Haschischrauchen habe er sich von Karneras beobachtet gcfühlt. lm Jahr 2000 folgte ein Krankenhausaufenthalt in M uod später in Z. Durch die Einnahne r'on Neuroleptika habe er sich besser geftlhlt. Irrationale Cedanken habe es da nicht mehr gehabl Aber er könne sich infolge des Medikamenteneffektes nicht richtig konzentrieren uod sei immer raiide. Nach einem längeren berullichen kerlauf folgte dann die Vorstclltmg im Bfrv Heidelberg, l'on +'o aus man die Ausbildung zum technischen Zeichner oder auch {iir andere technische Berufe ab Septemher d.J. plante. Fremdanamnese Wir erhielten tel. nur kurz Auskuaft s,ou der behacdehden Adin. Sie berichtete, die in der aktuellen Anamncse bereits genannten Symptome mit Beobachtungs- und Fremdbeeinflussungsideen sowie Schlalstörungen. Psycbopathologischrr Aufiraft mebefund: Wacher Patient, zu Zit und Ort orientiert. Bev,rsstseinsklar. wach. geordnete Exploration wegen ausgeprägter ldeenflucht Eicht möglich. Denkzcrfahrenheit, zT. auch Gedankenabreißen. Fraglich nzhnhaftes Beobachtungserleben sou.ie Brcinflussrmgserleben, Ilihlt sich von den Eltem hier abgrldrt- Er {Ihlt sich außerdem von Radioaktivilä beeinflusst. ffißenerleben, der Palient hält sich für cinen Erfinder. Keil Anhalt fflr Halluzinationen, Stimmung affektiv manisch gehoben. Schr,vankende Stimmung, leichte Reizbarkeit. Kenakt icsgesamt misstrauisch. Keine Hinweise auf akute Suizidalitat. §onratischer und neurologischer Befrnd: Orientierend neurolog'isch und interristisch unauffälliger Befund. Zusakuntersochungen: EKG vom 05.09.02: Sinusrhythmus, 70/min., Rechlwerzögenmg. Labon Im Drogenscreening bei Aufnahme Berrrd,türlpin positiv. Ärdere §ubstanzen einschließlich Canna- bis negativ. Im Routinelabor Hamsäure 10.7 mg/dl, sonstiges Routinelabor einschließlich TSH unauf- fällig. Tbenpic und Verlauf: Hetr S. rvurde wegen einer Exazerbation einer bckannten paranoiden Schizophrenie stationär aufgetxlrtrmeo. Ursächlich war mit großer Wahrscheinlichkei( tlie vom Patienten während einer grippeähn- lichen Erkrankung yorgenommene Reduktion bzw. das Absetzn seiner Zyprexamedikation. In längeren Gesprächen klärten wir die Notraendigkeit eirer neuroleptischen Therapie. Diese wurde dann auch vcm Patienten glaubhaft eingesehen. Nach rei{licho f'lterlegung behandelten wir zunäch§ mit einer kleinen Menge Tavor und begannen eine Einstellung aufZcldox. Das Tavor konnten wir in den nächsten 12 Tagen problemlos ausschleicheü und das Zetdox auf 2 x 80 mg ertröhen. Darunter entaktualisiede sich die wahnhafte Symptamatik md auch das manische Bild sehr schnell. Bereits nach weigen Tagen fing der Patienl sellrer an, den weiteren Verlauf seiaer geplanten Ausbildung von Station aus zu organisieren. Ab ctwa ciner Woche nach der Aufirahme drängte Hen S. auf Entlassung. Seinem Wunsch entsprcchend entlie8en wir ihn am 17.09.02. Wir empfehlen aber engmaschige psychialrische Kontrollen und ggL eine §Viedeworstellurg des Patienten. Wegen der Medikamente soli- ten gelegentlich Laborkontmllcn durchgeliibrt werden. Entlessuugsmedikation: o Zeldox 80-0-80 mg S.tb§lE$ändlicb künnen auch Prftamte andqvr He(srell€r mit grdd)rrn *irksoff rtlld gleiche r Wirtung verodnct werden. Mit freundlichen, kollegiaien GrüBen Pll Dr. Oberarzt der Klinik Dr. Ässistenzarzt

6 Re Kliniken D

19.09.2006 Herrn Dr. med. B Str. 52351 D Station 6 b ret . Fax . Herr Mathias Schmidt, ' 1980 An der Loehmühle 12,52379 Langenrehe Verträulrche ln lorm a tr on für den behanct€tnden Azr 15 Zb: StCal Dieser Beracht darl an keine enctere Stet,e we(ergegeben w€rden, auch nlchl nach Nachrichtlich: Herrn Dr. med. Hstr 52379 LangeMehe Sehr geehrter Herr Kollege, wir berichten lhnen über Herrn Schmidt, der sich vom 30.07. bis 19.09.2006 in unserer stat,onären Behandlung befand. Oiaonosen nach ICD t 0: Paranoid-halluzinatorische Psychose F 20.0 1. Aktuelle Anamnese: Herr Schmidt stellte sich sonntagabends beim diensthabenden Arä vor, gab an mit seiner derzeitigen Lebenssituation völlig überfordert zu sein, auch leide er zunehmend unter Gedanken, verfolgt zu werden. Seine derzeitige Medikation erscheine ihm nicht ausreichend und sei ambulant behandelnder Psychiater Dr. sei dezeit im Urlaub. Der Patient lebt bei seinem Vater, der auch zum Betreuer bestellt ist für die Aufgabenkreise Gesundheitsfürsorge und Behörden-, -Renten, und Leistungstra- gerangelegenheiten. Die Mutter des Patienten sei vor einem Jahr verstorben. Berufliche und Ausbildungspläne des Patienten seien in den letzten Jahren gescheitert, und er wisse nicht mehr, wie es wertergehen solle. Der Patient wurde erstmalig 1999 in unserer Fachklinik behandelt, danach seien Aufenlhalte in der Uniklinik in H und in Z-M effolgt. 2. Ps vc h tsc h f Be n d bei Aufnäh me: Wach und bewusstseinsklar. Zu allen Qualiläten orientiert. Keine kognitiven Störungen Formales Denken beschleunigt. Wahneinfalll-gedanken. Verfolgungswahn. Mäßige Wahndynamik. Keine lchbe- wusstseinsstÖrungen Deprimiert. Affektschwankungen Kontaktverhatten indifferent. Psychomotorik angespannt. Keine gegenwärtige Suizidalität. Keine aktuelle Fremdaggression. 3. AUqemdlLköIB€rliEher Bef u nd Der korperliche Befund ist unauffällig bis auf Akne am Rücken Therapie und Verlauf: Herr S. wurde zunächst mit seanem Einverständnis auf eine geschlossen geführte allgemeinpsychiatrF sche Akutaufnahmeslation der Klinik aufgenommen. Die vorbestehende Zeldox (Ziprasidon)- Behandlung wurde fortgesetzt. Wegen der akuten paranoid-halluzinatorischen Symptomatik und der ausgeprägten Angste gaben wir zusätzlich Glianimon (Benperidol) 3 x 5 mg, Diazepam (Diazepam) 3 x 5 mg sowie Neurocil (Levomepromazin) 3 x 50 mg. Am 09.08.2006 konnte Herr S. auf einer ebenfalls geschlossen geführten milieu- und soziotherapeutisch orientierten Station weiterbehandelt werden Hier erlebten wir den Patienten noch lange unter dem Einfluss paranoiden Erlebens stehend. Der Patient zeigte sich schon bei alltäglichen Anforderungen rasch überfordert, zog sich häufig zurück, betrachtete dres als Schutzmaßnahme vor Reizüberflutung und psychotischer Erlebnisverarbeitung. Unter stutzenden therapeutischen Gesprächen und begleitenden milieu-, sozio- und ergolherapeutischen Maßnah- men bildete sich die paranoide Symptomatik langsam zurück. Der Patient entwickelte ausgeprägte ertrapyramidalmotorische Nebenwirkungen unter Glianimon (Benperidol), im weiteren Verlauf wurde die Ghanimon (Benperidol)-Medikation schrittweise auf Seroquel (Quetiapin) umgestellt. Diese Umstellung verliei komplikationslos, parallel dazu besserle sich das Befinden weiter. Herr S. konnte zunehmend Kontakt zu seiner Umgebung aufnehmen und betealigte sich immer mehr am Stationsleben. Die psychotische Symptomatik war schlaeßlich vollständig remitiert, so dass wir Herrn S. nach abgeschlossener medikamentöser Einstellung bei gut gebessertem und stabilen Befinden am 19.09.2006 aus der stationären Behandlung nach Hause entlassen konnten. 1. Medikation bel Entlassunq Zeldox (Ziprasidon) 2 x 80 mg Seroquel (Quetiapin) 2 x 200 mg Neurocil (Levomepromazin) 50 mg abends 2. Nachstationäre Empfehlunoen: Ambulante psychiatrische Weiterbehandlung. Mit freundlichen kollegialen Grüßen t/t Dr med Dipl -Psych FA f Psychiatne u. PsychotheraPie FA f Psychotherapeutische Medizin Chefarzt der Abteilung f Allgemeine Psychratrie lll + Psychotherapie rn//Psycniatrie -P{ychotherapre- Od€rarzt der Abteilung f Allgemerne Psychiatrie lll + Psychotherapie K. Fl. Stationsarzt.JJ Wellere Untersuchunqen und Befunde: Neurologischer Befund: Kein Meningismus Visus/Bulbus/Lid opB. Pupillen beidseits rund und mittelweit. Direkte / indirekte LR seitengleich intakt. Uvula opB. MER seitengleich mittellebhaft auslösbar. Babinski beidseits negativ. Beruhrungsreize opB. Muskeltonus opB. Muskelkraft seitengleich intakt. Kein Tremor Stand sicher Gang opB Keine Dysmetrie. Keine Zeigeataxie. Eudiadochokinese. Keine Artikulations-Phonationsstörung. Weitere Befunde Labor: Srehe Anhang EKG vom 01.08.2006: Beurteiluna: Normofrequenler Sinusrhythmus, Linkstyp. Regelrechte Zeitverhältnisse, Psychopathologisch, PQ und eRS in der Norm. QTc 389 ms, Repolarisation ungestört, keine Extrasystolie, kejne Hypotrophiezei- chen.

7 Antwort eines Fragebogens

Mafihias Schmidt An der Lochmühle l0 52379 Langerwehe

L Mir ist bekannt. dass die Großtante und der Großonkel, beide Geschwister meiner Om4 ps)chisch krank warcn. Die Großeltem waren Kriegstraumatisiert. 2. Ich lebe als Singel und das bewust 3. 1992 Blindarm wurde entfernt im Städtischen Krankenhaus Düren. 1999 l6.April bis l0.MaiR Kliniken D (heute Klinik) Suicidale Reifekiese. 2000 Januar bis April Psychiatrie M Z Psychose aus dem schizopheren Formenkreis. 2000 Oktober bis November Therapie Doppeldiagnose Psychose und Sucht Psychosomatische Klink D 2002 September Ps1'chose Psychiatrische Klinik Universitätsklinikum H 2006 Juli bis September Psychose L Klinik D 4. Habe Hausarztzentriertc Versorgung 5. Viele leichtc Allergien gegen Gräser und Obst Alkohol. ab und zu einmal im Monat ein kleines Bier Vor über fünfJahren das Rauchen erfolgreich beendet Drogen seit 8 Jahren erfolgreich nicht mehr genommen 6. Pslchose. Konzcntrationsprobleme- Müdigkeit 7. Dauc.medikation: Zeldox 80 mg l-0-1. Seroqucl Prolong 300 mg 0-0-l 8. llausarz: Dr }l, Hstr .5 L Abmulanz L Klinik. Fachara für Psychiatrie Dr D 9. siche untcn 10. Wellpappenwerk Rheinland Niederzier, August 1998 Pizita Hut Düren Pizzafahrer. 1999 Casino Mcnu Würselcn. Essensfahrer 2000 SR ll Heidelberg Ausbildung zum technischen Zeichner / Teilkonstrulleur Maschinenbau 2001 – 2005 ETS Herzogenrath. Technischer Zeichner Konstruktionsbüro 8/2005 bisl0/2005 Runec Dürcn. seit 7/2008 I L lch stehc dem l. .Arbeitsmarkt seit Oktober 2006 nicht zur Verfügung wegen der Psychose. Ich arbeilc in einer Werkstatt filr psychisch Erkankte seit Juli 2008. l2- Ich $urde von Sozialamt Langerwehe aufgeforder! den Rentenantrag zu stellen lch beziehe Grundsicherung. I-]. (iratße: 1.76 m Geuicht: 80 kg l4. l rage eine Brillc, bin Kurzsichtig Ausliihrlicher Lebenslauf Mafthias Schmidt 1980 in Neuss An dcr Lochmühlg l0 52379 Langerwche -Jüngersdorf (lcschricbn 2000 während des stationären Klinikaufenthaltes ich zur wclt kam, sah ich zum ersten mal das helle Licht. Der plötzliche Wechsel meines bisherigen Umfeldes streßte mich und ^ls hatte Bauchschmerzen bekommen. Aber es war nur eine Umgewöhnung. Bei meinen Eltern war ich immer sicher Ich bekam zu ich Essen und zu liinken. und hatte immer ein Plaz zum schlafen. Meine drei Jahre ältere Schwester war immer ein Vorbild ftir mich. Arfang 1982 zogen uir nach Vettweiß. Don konnte ich in eioem Garten spielen. Meine Eltem lemten neue Leute kennen (für mich Bckanntenkreis) und der Kontakt zu den anderen Leuten aus N brach teilwejse ab. Zu diesom Zeitpunkt konnte ich mit den Leuten nicht viel ant'angen. Schließlich war ich in deren Augen das Baby. Verwandte konnte ich nur selten sehen, weil dis Entfernung rechi qroß §ar. Umziehcn war für mich normal. Famili?t besteht auch heute keine Ortsbindung (die Mittel zur Kommunikation haben sich dcutlich \erbcssen). Die ersten zwei Jahre meines Lebens habe ich kein Wort gesprochen. Doch danach konnte ich ganze Sätzesprechen. Ich fing an. mich für mein Umfeld zu interessieren. Mit 3 Jahren wäre ich beinahe ertrunken. Ein Mädchen (3 Jahre älter) konntc mich über Wasser halten und ein Mann fischte uns aus dem Wasser. Ich begann allmaihlich zu begreifen, daß mein Leben nicht selbst!erständlich war. aber auch nichts fflr die Ewigkeit bestimmt war. Mit 4 Jalren ging ich zum Spielkreis- Dort kam ich mit gleichaltrigen zusammen, die nicht von meinen Eltem ausgesucht wurden. Seit dem gab es flir mich Familie (auch entfemte Venvandtc). Bekannte der Familie und meine eigene Freunde (ich nenne keine Namen, aber alle Leute. mit den ich was zu tun hatte. habc ich bildlich vor den Augen. und bei den m€isten ist mir auch der Name bekannt). Während meiner Kindheit litt ich unter chronischen Kopfschmerzen. Einschlafen fiel mir dann sehr schwer lch bin froh, daß ich heute nicht mehr so was hab. Schon als Kleinkind bin ich gerne abgchauen, weil ich mein Umfeld erkundon wollte. tn der Stadt wäre das zu gefährlich gewesen. aber auf dem Dorfging das. Meine Eltern, besondeß meine Mutter, warcn stets besorgt, daß mir was zustoßen konnte. Ich hatte in so fem ein gutcs Verhältnis zu meinen Eltem. da sie aus mir einen guten Menschen gemacht haben. Mein Vater wanderte mit mir. wir machten Fahrradtouren oder wir spielten Gesellschafuspiele (häufig Schach). lch habe über Jahre zugesehen, wie mein Vater an dem alten Haus Reparaturen selbst durchgeflihrt hat. Ich habe ihm dabei viel abgeguckt. Meine Mutter war gesprächiger Von ihr habe ich gelemt. rvie man alles ifl Ordnung hält (obwohl ich eher unordenllich bin ). Mit 5 ging ich zum Kindergarten. ln den 2 Jahren unterschied ish zwischen Privat und nach außen zeigen. Ich habe gem mit Spielzgug g€spielt, womit ich etwas bauen konnte. 'lrotzdem habe ich auch kreative Arbeit geleistet. In dieser Zeit wurde mir meine Erziehung bewußt. Leider waren meine Eltem früher zu streng mit ihrer Vorstellung vom christlichen Glauben. Die Religion habe ich nicht als das Schlimme angesehen. Aber meine Schlvester und ich haben es geschafh, in den nachfolgenden Jahren mein Vater und meine Mutter aus ihren eigenen geistlichen Fesseln zu befreien. Heute siüd sie nicht mehr so besessen von ihre früheren Überzeugung. Sie wechselten von den Baptisten (für mich eine Sckte) zur einer evangelischen Gemeinde. Don machte ich gute Erfahrungen mit Christen. Mit 7 Jahren besuchte ich die Crundschule. Dort war ich gänzlich unterfordert. Nur im sprachlichen Bereich hatte ich Probleme. Ich habe von Anfang an versäumt. dicses Defizit durch l-'leiß auszugleichen. Die schnelle Aufnahmel?lhigkeit von Sachverhalten hat mich dazu gebmch! nicht richtig zu lemen. Hausaufgaben erledigte ich schon vor dem Mittagessen. Danach hatte ich genügend Freizeit. Ein Auskommen mil gleichaltrigen war möglich. dennoch hafte ich häufig Kontakt zu älteren Personen. Allein konnte ich mich auch beschäftigen. Tägliche Nachrichtenaufnahme haben stets meine Allgemeinbildung erweiten. Zum 10. Geburtstag bekam ich einen Computer. eine 'l-echnologic. die mich nachhaltig prägte. Meine Schwester (3 Jahre älter) war ein Vorbild lür mich. So wie sie ging auch ich nach der Grundschule zum Gymnasium. Ich hatte keinen Kontakt mehr zum Dorf, weil ich in die Stadt fahren mußte (einige Leute waren sol\icso schon \eggezogen). Meine Freizeit wurde verringert, so daß ich einige Hobbys vemachlässige. bzw. aufgab. Seit dem $ar ich jcden fag in Düren. Mein neues Hobby Computer konnte ich erweitem (Geschäfte besuch€n). 1992 wurde mir im Krankenhaus dcr Wurmfoflsatz entfemt. Das war mein erster Krankenhausaufenthalt. Nach und nach bekam ich mehr Probleme in der Schule. Konflikte mi1 Mitschülem. Lehrern und der Familie blieben nicht aus. Mit l4 Jahren habe ich regelmäßigen Alkohol und Zigärettenkonsum begonnen. Die 8. Klasse mußte ich wiederholen wegen einer sechs in Latein und eincr fünf in Englisch. Mit l6 Jahrcn habe ich zum erstcn mal Haschisch geraucht. Seit Ende 1997 habe ich keinen Alkohol mehr getrunken (vollkommen auf Ilaschisch umg€stiegen). Januar 1998 (10. Klasse) wechselte ich wegen drohender Nichtversetzung aufdie Hauptschule in Vettwoiß. Wegcn einer fünf in Englisch und Deutsch wurde ich von l0B auf Haupschulabschluß l0A zudtckgestuft. Probeweise habe ich t,SD. Amphitamine und Ectasy konsumicrt. August 1998 habe ich eine Ausbildung zum Verpackungsmittelmechaniker begonnen. Zu meinen 18. Gebunstag habe ich den Führerschein Klasse 3 bekommen. Anfang 1999 bezog ich meine erste eigene Wohnung in Düren. Am 14. April 1999 hatte ich einen Suizidversuch und ging einen Monat in die Landesklinik D. Ich brach die Ausbildung ab und gab meinen Wohnung aul lch zog wieder zu meinen Eltem nach Vettweiß. Z'ei Monate nach der Entlassung \r'urde ich zum Drogcnkonsum (überwiegend Haschisch) wieder rückftillig. Ich machte einen Nebenjob als Pizzafahrer bis November. Anfang 2000 hatte ich meine Aggressionen nicht mehr unter Kontrolle und ich machte am 17.1.2000 einen zweiten Entzug in der Krankenanstalt in Z. Don blieb ich bis zum 12.5.2000.

Vonsetzung im laule der Jahre weiter geschrieben:

Scit dem bin ich clean. und Aggressionen traten nicht mehr aui Am 14. November 2000 machte ich eine Therapie zur Rehabilitation in der ps),chosomatischen Klinik in wegen Doppeldiagnose (Psychose und Sucht). Jedoch konnte ich mich im Einzelgespräch nicht öffnen und ich sah meinen Probleme nicht so, wie ich sie sehen sollre. Wcgen zu geringer Therapiemotivation brach ich die Therapie nach 6 Wochen ab. Ich bin nicht rückftillig ge\lorden. Am I l. März 2001 hatte ich wieder einen Teilzeitjob als Auslieferungsfahrer Rlr Essen an alte Leute angcnommcn. Wegen meiner Erkrankung musste ich nicht am Wehrdienst teilnehmen. Statt dessen zog ich am 15. April 2002 nach tlcidelberg, um dort in einem Berufsöderungswek wieder eine Ausbildung zu beginnen.

DRTjI JAHRE SPAETER:

\un bin ich ein arbeitsloser Technischer Zeichner Maschinen und Anlagentechnik mit dem Zusatz Teilkonstrukteur Also. um eines klarzustellen: Die beste Therapie ist sinnvolle Afteit. Drogen einfach nicht nehmen zu duerfen steigert das Reuckfallrisiko. Neben der Ausbildung in HD habe ich mich da ein wenig selbst therapiert und nochmals, iedoch nicht uebermaessig, Alkohol und Hasch konsumiert. Ergebniss: Zu teuer, wirk kaum noch. Alkohol schiesst mich sofort ab. Vor Kammeras habe ich auch nicht mehr solche Angst. Zu den Agressionen: lch lasse mir nicht alles gefallen. Man sollte mich nicht in die Ecke draengen, dann schlag ich zu. Jedoch verbarle Agrcssion kommt haeufig vor, vor allem bei Diskusionen, fast so wie fiueher, als ich noch nicht krank war.

NOCTI FAST EIN HALBES JAHR SPAETER:

lch bekomme seit einigen Monaten ein zweites Medikament, dass etwas speedig wirkt. Dementsprechend bin ich schr aktiv. Nicht mehr so ne Schlaftablette wie vorher Kurz bevor meine Mufter gestorben ist, habe ich mit dem Rauchen aufgehoert. Aus dem gleichen Grund wie bei Drogen, zu teuer, wirkt nicht, brauch ich nicht. IIeute (Julic 2005) sollte ich auftassen, die M€dikamente NICHT abzusetzten, denn ich fuhle mich fast gesund. ledoch: lch bin so. weil ich sehr gute Medikamente heute hab. Trotzdem werde ich wegen meiner Schwerbehinderung und psychischen Erkrankung immer noch in die Ecke der gefaehrlichen gesteckt. Aber an die legale Propaganda aus cen t loll) !ood Psycho Filmen und der l agespresse- die es jedesmal nicht audruecklich genug schreit. derKinder-/Frauenschaender ist einer von den gewissen psychisch Kranken ... , daran habe ich mich fasl, aber leider nicht immer. geuoehnt. 2006 Umzug nach Lang€rwehe

\T'EITT]R 2.5 JA}IRE ANFANG 2OO8:

llin wcitcr Klinikaufenthalt in der D Landesklinik 2006 war notwendig, aus mehreren Gründen. Das speedige Parazotin gegen Depressionen wurde abgesetz! die Dosis gegen die Psychose erhöht. Mir wurde erklärt, dass Depressionen von innen heraus kommen, ohne Crund, bei mirjedoch die Symptome daher kommen, dass ich z.B. schlechtc Nachrichten im Femsehen sehe, mir tausend Gedanken dazu machc und deshalb schlecht draufbin. Nun uurden die Dopaminblocker erhöh; ich mache mir weniger Gedanken und es gibt keine Depression. Alles im Allem war das .lahr 2006 viel zu aufregend. Ich wollte die Schule weitermachen, das ABI nachholen. Statt dessen $urde ich zurückgeschlagen. die Psychose lähmt mich schon stark. GDB wurde von 509/0 auf 8070 angehoben. ich bin in der Grundsicherung und z.Z. nicht arbeitsflihig. Immer noch gilt Iiir mich, keine Drogen, keine Zigarctten und fast kein Alkohol. Zum'Ihema Suchtprävention bin ich zu der Meinung gekommen, dass ein striktes Verbot *cnig bis gar nicht hilft, wenn das Belohnungszentrum imCehim kein Ersatz bekommt. Mit Atemtechnik, Musik und gewisse Cedanken (Meditation) kann ich mir mittlerweile köryereigene Endorphine freisetzen und benötige daliir kcine Suchtstofl!. Mein Körper ist wieder so sensibel, dass Colq Kakao oder scharfes Ess€n in homöopathischen Mengen ausreichen, um schöne Sinne zu erleben. lm Januar 2008 gehe ich ein ganz anderes Thema an. Seitdem ich die Psychose als Krankheit akzepliere, habe ich mir allerhand Gedanken ilber mich gemacht. In der psychosomatischen Klinik D bin ich von einem l\'litpalignten gefragt uorden. ob ich Autist wäre. Ich kannte damals nur die ganz kasse Form davon und vemeinte. f)ie Psychosc kam mil 20 Jahren. wie auch immer ausgelöst. Jedoch wurden etliche Fragen damit nicht beantwortet- I leütc. nach 27 Lebensjahren weis ich. dass Autismus ein Spektrum hat. Ich vermule, das “Asperger Syndrom” zu haben Und das seit frühester Kindheit. Dieser Sache uerde ich in der Uniklinik Köln nachgehen. Eine Kurzinformation über 40 Seiten brachten mir einen illuminierten Zustand, ich fand eine Schrift, di€ mein Innenleben erklärte, \ arum ich die Leute anstarre und fast nicht in der Lage bin, die Körpersprache zu verstehen, die daraufhin zu l'ehlerhaften Interpretationen, die gerade in meiner Kindheit und Jugendzeit immer wieder zu heftigen Konflikten lührten. Die Sonderintcressen. wozu die Schularbeit selten dazugehörte. lnterpretationen und Metaphem nicht zu verstehen und diese wie beim Lemen einer F'remdsprache auswendig zu lemen und im G€him abzulegen. Gespräche wortwörtlich zu nehmen. Die Nonverbale Kommunikation ist gänzlich unmöglich, was Flinen oder der Partnersuche unter sch\r'ierigsten Bedingungen stellt. Die gleichen Wege zu gehen und in großen Kreisläufen die Dinge nach immer der glcichen An zu machen und möglicherweise auch über die gleichen Dinge zu sprechen. – Asperger lemen mit dcr Zeit. sich in dcr Welt zurecht zu finden. Die Probleme sind meist in der Kindheit und Jugend. Jedoch wird das Aspcrger S,,-ndrom. wenn überhaup! häufig er§t mit Ende 20 diagnostizien. Je intelligenter, desto unaullälliger ist diese Krankheit, weil eine Anpassung am Umfeld stattfindet. Möglicherweise könnte die Psychos§ auch durch die heliigen Veränderungen (Autisten mögen keine Veränderungen) in der PubenäL vom Kind – Jugendlich – Flr§achsen Wcrden. gcbildet worden sein und die Drogen als primiten Auslöser verdrängen. Diese Fragen werden sich in Kürze beim Professor in Köln beantwortct. Schonjet, hilft mir die Elkenntnis. wie ich halt tickg das Leben delitlich angenehmer zu gestalten und somit auch ein gesünderes “lch” zu b€kommen. Autisten könncn in N ischcnhcreichen hoch qualifizierte Arbeit verrichten. Ich denke da an Temple Grsndin, die eine Professur crlangtc. lrotz Autismus. Abcr auch John Forbes Nash ist ein Vorbiid ftir mich, d€r Ül Psychose erkankte. rviedir Gesund wurdc und sogar den Nobelpreis erhielt. lm Universitätsbetrieb scheint es möglich zu sein, trotz Beeinträchtigungcn eine Kariere zu machen. Somit warte ich ab, wie es nun mit mir weitergehen soll.

t2/2008

I-,s kann *egcn des vergangene Drogenkonsums und der Psychose im nachhinein nicht mehr das Aspergersyndrom nachgeuiesin werden. Statr mich weiter damit zu beschäftigen habe ich stalt dessen im Juli 2008 eine Tätigkeit in einer Werkstatt für psychisch erkralkte Menschen, der Rurtec in Dilren aufgenommen.

2009

Es ist an der Zcit. rückblickend niederzuschreiben, was sich getan hat, wie sich mein Denken geändert hat und wovon ich mich distanzieren möchte. lch habe mal gchön. dass sich die eigene Persönlichkeit etwa alle l0 Jahre verändert oder dass sie sich zumindest mehrmals im Leben verändert. Ich marschier€ mit großen Sch tten aufdie dreißig zu, und denke schon. dass ich mich seit dem ach so super tollen Jahrtausendwechsel veränden habe. Es hat sich gezeigt .lass drc rielen kleinen Schrilte notwendig uaren. 1980 gebohren. u.aJen die ersten zehn Jahre halt ganz normale Kinderjahre. Mit zehn Jahren hatte ich meinen crsten Computcr. Es fingen die ersten Probleme in der Schule m, sicherlich, weil ich schon recht viel Ctompurer gcspielr habe. Fehmsehn mit l2 Jahren und Viederorecorder ließen mich außerhalb der Schulzeit gar nichts mehr für die Schule lemen. ErsterAlkohol- und Zigarsttenkonsum ab etwa l4 Jahren und der crste Hashkonsum mit l6 Jahren und mit l8 auch härtere Drogen ebneten mir den Weg zum Abgrund. Auch wenn ich ab und an aufPanies anwesend war, so war ich doch stetz unter Drogeneinfluss. Das, was ich in der schule lerncn sollte. interessie.te mich nicht. Lediglich im Computerberrgich als Hobby lemte ich immer dazu. obrvohl ab l8 Jahren pausiene dies ebenfalls. Für mein soziales Umfeld wurde ich eine Zumutung. Wahn und Agressionen mehrten sich. Bis Anfang Zwanzig sollte ich den Tiefstpunkt eneicht haben. Wären sich normaler\r'eisc ein Mensch vom l0 bis zum 20. Lebensjahr weiterentwickelt, war es vom Anfang bis zum Ende cin stetigcr Abstieg.a Heute. bald ein Jahrzent weiter, ist mir klar, wieviele Menschen ich damals enttäuscht habe. Familie, l'-reunde. Schulkolegen. Lehrei alle mussten meine Launen ertragen. Ich habe viele unschöne Dinge gesagt und getan. Lls war nur allzu logisch, dass sich zu dieser Zeit die meisten Menschen von mir abgewant haben Und die. die es gut mit mir meinten, hatten eine schwere Zeit mit mir. Es ist etwas spä! aber heute möchte ich dencn. die sehr unter mein asoziale Verhalten gelitten haben, sagen: ENTSCHULDIGUNC! I-etzen Endes war gs die Familie und ganz wenige Freunde, die mich im meinem zwanzigstem Lebensjahr noch begleitet haben. während die welt im Rausch des Jahrtausendwechsels utopische Ziele festlegte, fiel ich ins Delirium. Ein monatelanger Psychiatrieaufenthalt sollte mein Leben unkrempeln. Seitdem lebe ich mit der Diagnosc schizophren Psychose und fresse Tag fitr Ta& morgens und abens Medikamgnte. Die erstcn Jahre uaren schwer, die Drogen hatten viel kaputt gemacht, ich schliefnicht nur Nachts, auch tagsüber war ich immer milde und schlief. wegen der Medizien. Mir wurde gesagt, dass es lange dauem §ürde. bis das Cchim sich einigermaßen von denjahrelangen Strapatzen wieder erholen würde. Es sollten Jahre vergehen. ich begann über mein Leben nachzudenken, wie es weitergehen sollte. Tatsächlich becndete ich erfolgreich eine Ausbildung zum Technischen Zeichner in ein€m Beruf'stiirderungswerk, .icdoch r.var immer rvieder ein Klinikaufenthalt erforderlich. Die Psychose chronifizierte sich, Versuche aufdem ersten Arbeitsmarkt schlugen fehl. Der Tod meiner Mutter musste die Familie verkaften. Seit \aenigen Jahren bekomme ich sehr gute Medikamente. Ich bin heute tagsüber keine Schlaftablette mehr Ich übe eine Tätigkeit in einer Werkstatt für Behindenc aus. Entgegen dem Trend habe wir für 2009 richtig vielArbeit. Das Haus in Vettweiß wurde verkauft, ich lebe seit drei Jahren alleine in meiner eigenen Wohnung. Nach der Arbeit crledige ich meine Aufgaben zu Hause. ich lebe unabhainig. Für meinen Geist bleiben am Tag ma. 90 Minuten. rvo ich mich mit Dingen beschäflige. die meinem IQ entsprechen. Mehr soll es auch nicht sein- damit der Verstand nichl durchdreht. Wobei ich betonen will, dass nach modemen Lemmethoden in 90 l\,1inulen äußersl effekiv gelemt werden kann. Jeden Tag mache ich das nicht. aber als Menseraner habe ich Kontakt zu intelligenten Menschen, die häufig Akademiker sind. Mit diesen Menschen möchte ich nichr unbedingt tauschen. Sie leisten viel, arbeiten viel, aber sie müssen den ganzen Tag das machen, !,t as gemachl werden muss. Ich arbeite auch. aber leicht und in meiner freien Zeit kann ich mich mit Dingen b€schäftigen, die mich interessieren. Ich rede ungeme von “Hätte. wenn und aber”, wäre in der Schule und dannach alles gut gelaulen, ich haitte das Falsche studiert. Aufgrund meiner Fähigkeiten mit dem Computer. haben sich r iele immer rviedcr gcfragt. warum macht der nichts daraus. Damals häfte ich Informartiker werden sollen, \r'ie Millione Andere und mich die halbe Zeit mit der mir unbeliebten Dokumentation herumschlagen können. Tag tür Tag nach Vorgaben programmieren. Aus dem Hobby wäre Berufgeworden und mir wäre es ergangen, wie andem aus meinem sozialem Umfeld, bloß nicht in der Freizeit über Computer reden oder nachdenken. Ileute kann ich dazu sagen. auch nach fast zwarzig Jahren Hobby bleibt Hobby. Ich fuhle, dass ich in Sachen Computer erst in den letäen ftinfJahren richtig eingestiegen bin. Wegen meines kaakhaften U/ahns mussle ich mich zwangsläufig mit IT Sicherheit auseinandersetzen und somit auch der Hackerrei. Vor acht Jahren war das erste. was ich üb€r Hacker laß, dass man lange, sehr lange lesen und nachdenken muss. Also, habe ich meine Auszeit unter anderm dazu genutzt, um zu lesen und nachzudenken. Meine paranoide Zeit ist vergangen. die Zeiten, wo ich hinter fünfunterschiedlichsten Firewalls gesessen habe. sind vorbei. Sicherheit ist eine Illusion, nur, seit dem ich aufder Welt bin ist eines sichcr. der Tod. Jetzt habc ich eine Ahnung davon, was IT-Sicherheit bedeutet, hunderte von Argrill'svektoren und menschliche Schwäche, vor allem auf den Systemen, wo meine Daten sind. die aber von l-'irmen und Behörden gewartet werden. Außerdem hatte ich einen schweren Unfall mit eincm LK{ eine halbe Sekunde später und ich wäe in Kopfhöhe unt€rm Hänger gewesen. Das einzige, $as ich nach heutiger Sicht hätte studieren sollen, wäre Mathematik in der Richtung Chiffii€rung gervesen. LJnd clann noch vielleicht maschinennahe Programmierung. Ich mag nicht in Hochsprachen zu programmiercn. Das ist viel zu ResoursendAessend. Heute bin ich auch froh, ilber ein Stadium herrausge\'achsen zu sein. wo alles schn€ller. besser, neuer sein muss. D€r Conputer kann ruhig fiinfbis zehn Jahre alt sein, es muss nicht das neueste Handy sein. Heute überlege ich, wie ich Energie einsparen kann. Ganz gewiss geht das nicht, wenn der neue Computer zwar vier mal sch.eller aber insgesammr immer noch dann dopp€lt so viel Strom llist. Ich werde belächelJ. wenn ich meinen Atari Portfolio von 1989 hervorhole. Aufder Arbeit, in der Selbsthilfe für Psychiatrieerfahrene, im Mensa e.V habe ich neue Kontakte geknüpft. Ich kenne interessante Leute, von “ganz da oben” und “ganz da unten”. lch kann verschidenste Realitäten zwischen den Menschen sehen. Ich bin froh, den Kontakt zu Menschen wieder gefunden zu haben und dass ich nicht mehr Sorge verbreite. Für 2010 \rünsche ich mir, dass die Gesundheit stabil bleibt. Ich bin sehr ruhig und ausgeglichen gervorden. Ich bin mit meinem Leben zufrieden! Große Veränderungen oder Vorsätze sind nicht geplant. Malthias Schmidt

8 An den Fachausschuss.

Sehr geehne Damen und Herren, ich arbeite jetzt seit siebeneinhalb Jahren in den Rurtalwerkstätten. Ich möchte in Zukunft meine Zuverdienstmöglichkeiten zur Erwerbsunfähigkeitsrente anderweitig bestreiten. Die manuelle Arbeit in den Runalwerkstätten, die Hanaarbeit liegt mir nicht so gut. Ich bin ein kopflastiger Mensch und vor langer Zeit wurde bei mir eine Hochbegabung festgestellt. Die hlindische Arbeit gelingt mir nur mäßig. Das Arbeirstempo ist mirtelmäßig und der Kopf würde am liebsten zwanzigmal schneller arbeiten. Leider sind im Haus nur manuelle Arbeiten verfügbar. Ich bin als junger Erwachsener an Schizophrenie und an einer paranoiden Psychose erkrankt. Ich kann auf den 1. Arbeitsmarkt nicht arbeiten, da ich nicht stressresistent bin, in unregelmäßigen Abständen immer wieder Pausen benötige und mich jederzeit rausnehmen können muss. Der reguläre 1. Arbeitsmarkt ist dafür ungeeignet. Viele Jahre hinweg war ein Hauptargument, in den Werkstätten zu arbeiten, die relativ hohen Renteneinzahlungen, die gemacht werden. In letzter Zeit sind zunehmend wieder aggressive Gefühle bei mir aufgetreten. Im Gegensatz zu früheren Zeiten versuche ich diese nach Möglichkeit nicht nach außen zu zeigen. Ich hatte vor einigen Jahren die Arbeit auf die Hälfte reduziert, ich arbeite halbtags in den Rurtalwerkstätten. Neben der Arbeit dort bin ich auch noch ehrenamtlich im Kreis Düren beschäftigt. Seit nunmehr über 10 Jahren bin ich aktiv am Psychoseminar Düren beteiiigt und pflege dort seit vielen Jahren die Webseite. Seit fast anderthalb Jahr bin ich aktiv bei der Freifunk Initiative im Kreis Düren dabei. Beide Tätigkeiten liegen mir nahe, da ich diese mit meinem Hobby, die Computertechnik verbinden kann. Leider konnte mir keine entsprechende Arbeit in den Runalwerkstätten oder außer Haus angeboten werden. Ich tue mich jedoch schwer, eine Erwerbsarbeit anzunehmen. Wie ich bereits oben beschrieben habe, ist reguläre Erwerbsarbeit für psychoseerfahrene Menschen häufig ungeeignet. Meine Überiegung ist, die Zuverdienstmöglichkeiten zur Erwerbsunfähigkeitsrente und zur Grundsicherung durch freiberufliche Tätigkeiten zu verdienen und für ein paar Stunden im Monat zu arbeiten. Konkrete Vorstellungen sind, Menschen bei PC-Problemen zu helfen, eventuell, wenn der Bedarf da sein sollte Videostreaming und Aufzeichnung. Ich bin envas künstlerisch tätig und würde versuchen, Bilder die ich zeichne verkaufen zu bekommen. Ich habe mich so auf dem Arbeitsmarkt noch nie angeboten und sehe das als ein V€rsuch auf diesem Wege die Zuverdienstmöglichkeiten auszuschöpfen. Ich habe mit meinem Facharzt für Psychiatrie die Situation besprochen und der Arzt meint dass ich nicht zu verlieren habe. Reguläre Arbeit wird aus medizinischer Sicht eher nicht empfohlen, aber innerhalb der 15 Srunden Arbeitszeit, die ich neben der Ehe EU-Rente machen kann, sind freiberufliche Tätigkeiten im geringen Umfang aus medizinischer Sicht ohne Bedenken machbar. Eine andere Möglichkeit, Plan B, wäre, für ein paar Stunden die Woche Fahrdienste zu machen. Ich fahre seit meinem 18. Lebensjahr regelmäßig Auto und auch seit über 15 Jahren mit Medikamenten unfallfrei. Ich bin in der Zeit ca. 300.000 km gefahren. Aus medizinischer Sicht ist das Fahren von Fahrzeugen für mich auch unproblematisch sofem ich darauf achte, sobald Müdigkeit eintritt, die Fahrt sofort zu beenden. Wie ich schon beschrieben habe, ist es frustrierend, wenn Handarbeit nicht zu schnell gelingt, abel der Kopf gedanklich anderweitige Arbeiten besser erledigen könnte. In der Gruppe, in der ich bei den Rurtalwerkstätten untergebracht war, war und ist bekannt; dass ich im IT-Bereich weit reichende Fähigkeiten besitze. Im IT-Bereich bin ich hobbym:ißig unü als Autodidakt seit über 25 Jahren auf dem Laufenden. Es hat in der Gruppe auch ab und an die Situation gegeben, dass es zum Beispiel Probleme mit dem Drucker gab. Der reguläre Weg wäre gewesen, telefonisch den Administrator zu benachrichtigen. Dieser hätte dann erst wieder irgendwie Zeit haben müssen, und der reguläre WeB wäre länger gewesen. Der Gruppenleiter hat mich dann gefragt, und das Druckerproblem war in den allermeisten Fällen binnen 30 Sekunden bis 1 Minute gelöst. Während der Dienstweg viel Zeit in Anspruch genommen hätte, konnte in der Gruppe vor Ort inoffiziell ganz schnell Cas Problem jeweils behoben werden. Leider habe ich im Hause keine Möglichkeit bekommen, diese An von Service erledigen zu können und den regulär eingesetzten IT Fach Menschen entlasten zu können. Die Zuverdienstmögiichkeiten sind relativüberschaubar, die Grundsicherung Deckels das Einkommen sowieso bei 100 Euro. Auch wenn ich nur halbe Tage arbeite, so sind das 20 Wochenstunden. Wenn ich Serviceleistungen im IT-Bereich anbiete, sehe ich eine reelle und relativ gute Chance, in deutlich weniger Zeit ähnliche Zuverdienste zu erzielen. Ich habe mit meinem gesetzlichen Betreuer die Situation schon besprochen und geringfügige Zuverdienstmöglichkeiten werden mit einer einfachen Überschussrechnung dem Sozialamt bzw. dem Finanzamt gemeidet. Auf diese Weise werde ich zwar nicht mehr die hohen Renteneinzahlungen haben, da die Arbeit mich in den Rurtalwerkstätten zunehmend frustriert, benötige ich diese Tätigkeit als Entlastung. Die ehrenamtliche Tätigkeit, die ich eben schon beschrieben habe, ist mein Ausgieich zur Tätigkeit in Rurtalwerkstätten. Das geistige kommt zu kurz, daher brauche ich den fachlichen Ausgleich in meinem Ehrenamt. Vor 2 Jahren war ich zu dem noch politisch aktiv gewesen und ich bin ein Befürwoner des bedingungslosen Grundeinkommens. Leider ist die Umsetzung noch in weiter Feme. Damit wäre die Absicherung nach unten gegeben und die Zuverdienstmöglichkeit nach oben unbegrenzt. Die momentanen Voraussetzungen sind leider dann so, dass ich Erwerbsunfähigkeitsrente und Grundsicherung bekomme und zur Rente 450 Euro dazu verdienen kann bei einer Wochenarbeitszeit von maximal 15 Stunden für die freiberufliche Tätigkeit und der ehrenamtlichen Tätigkeit. Ich habe Probleme gehabt, Kontakte mit Kollegen in den Rurtalwerkstätten zu knüpfen. Die Interessen Iiegen weit auseinander. Ich habe letzten Endes sehr sehr wenige Menschen nur im Hause gehabt, mit denen ich über Dinge sprechen konnte, die mich interessieren. Die Themen, die sonst so am Arbeitsplatz üblich sind, entsprechen nicht meiner Interessenslage. Für den Ausgleich habe ich zu dem Ehrenamt 2-3 Stammtische. Einer dieser Stammtische ist bei Mensa in Deutschland e.V der Stammtisch in Aachen. Auch wenn ich selber aufgrund meiner sehr frühen psychischen Erkrankung keinen nennenswerten besonderen Schulabschluss habe und meine erworbene Ausbildung als technischer Zeichner schon lange zurückliegt, pflege ich intensive Kontakte ins akademische Milieu. Diese Lebensweise scheint in sich selber schon schizophren zu sein. Einerseits die einfache Tätigkeit in der WfB und in der Freizeit ehrenamtliche Arbeit, die qualitativ hochwertig ist, sowie Kontakte zu Menschen mit ganz anderen schulischen Abschlüssen. Dieser Fachausschuss berät über meine Situation und es soll die Tür offen gehalten werden, falls ich später vielleicht doch noch wieder zurückkehren möchte. Ich möchte meine Zuverdienstmöglichkeit als freitätige Arbeit ausprobieren und diese Einnahmemöglichkeit eine Weile testen. Was die Zukunft bringt ist offt unbekannt, da ich die letzte Zeit zunehmend unruhig und aggressiv innerlich geworden bin, sehe ich den Schritt raus aus der Werkstatt jetzt für notwendig. Was mich auch über einen langen Zeitraum immer wieder gestön hat ist, dass es relativ laut in den Rurtalwerkstätten ist. Aus meiner Tätigkeit im Psychoseminar weiß ich sehr genau, worauf bei meiner Erkrankung zu achten ist. Dazu gehört auch, dass es nicht zu unruhig ist. Ein ruhiges Arbeiten ist oft nicht möglich. Gerade bei Psychose und Schizophrenie sind Ruhe- Rückzugsmöglichkeiten und Auszeiten sehr wichtig. Ich kann jederzeit zwar zum Arzt gehen und mich krankschreiben lassen, darin sehe ich aber einen sehr bürokratischen Akt, jedes Mal die Krankmeldungen eirreichen zu müssen. Außerdem muss das dann schon vorher erkannt werden. Die freiberufliche Tätigkeit stell ich mir dahingehend freier vo1 dass ich die Arbeitszeiten besser einteilen und vor allen Dingen entscheiden kann, welche Arbeit ich annehme und welche nicht. Meine Finger arbeiten nur mittelmäßig schnell und bei den Verpackungsdingen, die wir produzieren, stecke ich viel Energie in ordentliche Arbeit mit dem Wissen, dass die Verpackung, nachdem sie irgendwo als Produkt verkauft wurde, aufgerissen und einfach nur weggeschmissen wird. Darin sehe ich keine nachhaltige Arbeit. Das ist ein weiterer Grund, warum ich mit dieser Arbeit unzufrieden bin. Vielleicht bin ich auch ein Mensch, der alle paar Jahre einfach nur Abwechslung braucht. Mit freundlichen Grüßen, Matthias Schmidt

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